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Flüchtlingsteam |25.11.2017|15:00

So geht Integration: Der FC Rotes Meer wächst

Eine Multi-Kulti-Truppe: Der FC Rotes Meer aus Dresden, der als zweite Mannschaft des VfB Hellerau Klotzsche im Spielbetrieb kickt. [Foto: privat]

Beim Dresdener Stadtteilklub VfB Hellerau Klotzsche wird Integration gelebt. Mit einem Flüchtlingsteam nimmt der Verein seit dieser Saison am Spielbetrieb der 2. Stadtklasse teil. Im Verein ist das Team als FC Rotes Meer Dresden bekannt. Unter dem Namen fing im Sommer 2015 bei einem Anti-Rassismus-Straßenfußballturnier eher zufällig alles an.

Felix Herrlich, heutiger Co-Trainer vom FC Rotes Meer Dresden, kann sich an die Anfänge noch sehr gut erinnern. „Wir haben mit einer Freizeittruppe an einem Straßenfußballturnier teilgenommen und wurden gefragt, ob wir noch acht Eritreer im Team aufnehmen könnten“, erzählt der 25-Jährige. Er und seine Jungs ließen sich nicht zweimal bitten. Sie sagten zu, mischten die Spieler kunterbunt durch und machten aus einem Team letztlich zwei. Mit Erfolg. Nach dem Turnier blieb der Wunsch, weiterhin gemeinsam miteinander zu kicken. „Dann haben wir uns beim VfB Hellerau Klotzsche ein Kleinfeld gemietet und einmal die Woche gespielt.“

Mit der Zeit stieg die Hobbytruppe dann auf das Großfeld um, absolvierte Testspiele gegen die zweite Mannschaft des VfB Hellerau Klotzsche, Flüchtlingsmannschaften und Teams aus den unteren Ligen. „Zu Beginn dieses Jahres haben wir uns dann entschieden, dass wir auch im Spielbetrieb starten wollen.“ Gesagt, getan.

Offiziell geht die Mannschaft seit dieser Spielzeit unter dem Namen VfB Hellerau Klotzsche III in der 2. Stadtklasse an den Start. Doch inoffiziell fällt im Verein auch heute noch der Name FC Rotes Meer Dresden. Über das rote Meer sind schließlich die meisten der aktuell 19 Spieler nach Europa gekommen. Die Spieler stammen aus Eritrea, Syrien und der Elfenbeinküste. Hinzu kommen fünf Spieler aus Deutschland. Unter anderem auch Felix’ Bruder Jonas, der bis zur C-Jugend für Dynamo Dresden die Schuhe schnürte und das Team jetzt als spielender Trainer gemeinsam mit seinem Bruder führt.

"Am Anfang hatten wir Bedenken, ob das mit allen Mannschaften so funktioniert. Aber bislang hatten wir bei keinem Spiel irgendein Problem"

Die Zusammenarbeit der beiden Brüder funktioniert gut. Das Training leiten die beiden auf Deutsch. „Die Hälfte der Spieler spricht gut Deutsch. Bei der anderen Hälfte sind zwei, drei dabei, die noch nicht so lange in Deutschland sind. Da wird fast alles von den Mitspielern übersetzt“, erzählt Felix Herrlich, der selbst aufgrund von zahlreichen Verletzungen nicht mehr aktiv mitspielt. Stattdessen konzentriert er sich auf das Trainerwesen. Neben der Flüchtlingsmannschaft trainiert der duale Gesundheitssport-Student des VfB Hellerau Klotzsche noch die F- und D-Jugend des Vereins und kümmert sich um das Kindersporttraining für 4- bis 7-Jährige.

Die Leitung des Flüchtlingsteams ist für ihn nicht schwieriger als die Leitung seiner anderen Teams. „Man muss natürlich langsamer und einfacher erklären und sich häufiger wiederholen, aber ansonsten läuft unser Training wie bei jeder anderen Mannschaft auch. Am Ende spielen wir alle Fußball und das funktioniert.“ Der sportliche Erfolg ist dabei aktuell noch nebensächlich. Dass das Team ohne Probleme am Spielbetrieb starten kann, ist für alle Beteiligten am Wichtigsten. „Am Anfang hatten wir Bedenken, ob das mit allen Mannschaften so funktioniert. Aber bislang hatten wir bei keinem Spiel irgendein Problem.“

Auch innerhalb des Vereins tue sich etwas, gerade bei den Jugendlichen. „Es ist ein Umdenken da. Am Anfang gab es Leute, die Vorurteile hatten. Zumindest bei den Jüngeren ist das aber jetzt komplett verschwunden.“ Bei Mannschaftsunternehmungen nach dem Training sind gelegentlich auch Spieler der A- oder B-Jugend dabei. Darüber hinaus erkundigen sich Kinder und Jugendliche aus dem Verein regelmäßig über die Ergebnisse des FC Rotes Meer Dresden. Eine Entwicklung, die Felix Herrlich stolz macht.

Rein sportlich sieht er bei dem Team noch Luft nach oben. Aktuell hat die Mannschaft, die in Klotzsche auf Kunstrasen trainiert, noch mit den gegnerischen Hartplätzen zu kämpfen. Zudem haben viele Spieler noch den Straßenfußballer-Instinkt verinnerlicht. „Unsere Spieler gehen viel ins Dribbling und suchen das Eins gegen Eins. Da Taktik zu vermitteln, beziehungsweise generell das Elf gegen Elf, ist schon ein bisschen anders.“ Doch beim VfB Hellerau Klotzsche weiß man all das auch zu schätzen. Denn ohne den Straßenfußball würde es die Multikulti-Truppe des FC Rotes Meer Dresden schließlich gar nicht erst geben.

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