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Thomas Häßler in der Bezirksliga |13.02.2016|17:45

So verrückt tickt Häßlers Club Italia

Der Club Italia steht seit der Verpflichtung von Thomas Häßler (oben links mit Sportchef Eric Meissner) wieder im Blickpunkt. [Foto: Fotos imago, HEINERMANN; Collage FUSSBALL.DE]

Nicht erst mit der Verpflichtung von Welt- und Europameister Thomas Häßler als Trainer seiner Bezirksligatruppe hat der Berliner Club Italia für Schlagzeilen gesorgt. Vor einigen Jahren hatte der Verein sensationelle Zuschauerzahlen, bis in den vierstelligen Bereich. Die Leute kamen allerdings nicht in erster Linie wegen der Spiele gegen die VSG Rahnsdorf oder den Grünauer BC in der 8. Liga, sondern wegen des Drumherums, vor allem der kostenlosen Pizza. „Fußball als Pizzabeilage“ titelte die taz 2010. Hinter all dem stand Florian Sinnig, Gastronom und damals Präsident des Klubs. Sinnig sprach vom Aufstieg in die Bundesliga.

Es langte aber nur für die Berlin-Liga (6. Liga). Dort lief es bescheiden und der Präsident zog sich zur Winterpause 2012/13 zurück. Club Italia Berlino, so der offizielle Name, verlor eine ganze Mannschaft, spielte die Saison mit Akteuren der zweiten Mannschaft aus der 10. Liga zu Ende. Die kassierten von den Gegnern viel Respekt und – damit kommen wir zu den negativen Schlagzeilen – reichlich Gegentore. Sechs Punkte, 26:233 Tore lautete die Schreckensbilanz, als es überstanden war. Das 0:21 gegen TuS Makkabi ist Negativrekord in der Berlin-Liga. Bundesweites Aufsehen erregte das 1:16 gegen den BSV Hürtürkel, als Stürmer Safa Sentürk 16-mal traf.

"Das ist keine PR-Geschichte"

Italia, einziger Verein mit italienischen Wurzeln in der Stadt, stieg wieder bis in die Bezirksliga ab und war über Jahre ein Amateurklub unter vielen. Dann wurde am Freitag vor einer Woche per Pressemitteilung der neue Trainer ab Sommer verkündet: Thomas Häßler, Weltmeister 1990 und Europameister 1996. 101 Einsätze im Nationalteam, insgesamt 400 Bundesligaspiele für den 1. FC Köln, den Karlsruher SC, Borussia Dortmund und 1860 München, mehrere Jahre in Italien bei Juventus Turin und AS Rom unter Vertrag.

Keine anderen Angebote

Am vergangenen Montag tauchte der gebürtige Berliner zur Vorstellung in einem italienischen Autohaus am Stadtrand auf. Erwartet von zwei Dutzend Journalisten, Vereinsverantwortlichen, Mitarbeitern des Autohauses und einem Hund. Viel mehr Leute (und Hunde) finden sich bei den Bezirksliga-Heimspielen auf dem Sportplatz am Spandauer Damm auch nicht ein. „Das ist keine PR-Geschichte“, sagt Sportvorstand Eric Meissner (43), „ich bin brutal überzeugt von Thomas als Trainer.“ Die Frage, warum dieser in die 8. Liga komme, beantwortete Häßler gleich nach ein paar Sätzen sympathisch offen: „Ich hatte keine anderen Angebote.“

Häßler war im Anschluss an seine aktive Karriere Techniktrainer beim 1. FC Köln, Assistent von Berti Vogts bei der nigerianischen Nationalmannschaft, bis Mai 2015 Technischer Direktor beim iranischen Erstligisten Padideh Maschad. Nach der Rückkehr aus dem Iran tat sich erstmal wenig. „Ich habe nicht lange überlegt“, sagt der 49-Jährige über die Anfrage von Italia. Den Kontakt stellte Mirko Steiner her, Sohn des 90er-Weltmeisters Paul Steiner und ein Bekannter von Häßler und Meissner.

Der Fußball-Lehrer ist froh, wieder eine Aufgabe zu haben: „Ob siebte, achte, zehnte oder zwölfte Liga, ist mir wurscht. Ich möchte wieder etwas tun und nicht zu Hause rumsitzen und die Wände anstarren.“ Bevor Häßler die kleine Bezirksliga-Bühne betritt, wird er noch von einem größeren Publikum im TV wahrgenommen. Eben gerade noch in der Show „Ewige Helden“ (VOX), ab März bei „Let’s Dance“ (RTL). „Erst tut sich gar nichts und dann kommt alles auf einmal“, sagt Häßler. Er wohnt seit Dezember mit seiner Ehefrau Anke im Bezirk Spandau. Mehr als 30 Jahre, nachdem er von den Reinickendorfer Füchsen nach Köln gewechselt war, ist er zurück in Berlin.

Spieler mit Profierfahrung

Die Tage mit Frei-Pizza und Bundesliga-Träumen sind lange vorbei, doch – da bleibt sich Italia treu – die Ziele sind erneut enorm. Meissner, seit August im Amt, will „in acht bis zehn Jahren in der 3. Liga“ sein. Gern auch schneller. Es gibt Gerüchte über eine Fusion mit einem höherklassigen Klub. Man müsse „geil sein drauf sein, so schnell wie möglich nach oben zu kommen“, ergänzt Häßler. Sein Vertrag läuft ab Sommer erst einmal zwei Jahre.

Momentan ist nicht die 3. Liga nah, noch nicht mal die Landesliga, sondern die Kreisliga A. Italia steckt im Tabellenkeller . Nicht mehr lange, glaubt Meissner. Das Team ist mit Mike Schulz (in der Jugend bei Hertha 03 Zehlendorf, zuletzt bei Waldhof Mannheim) und Philip Malinowski (u.a. beim 1. FC Union II, dem Berliner AK und der TSG Neustrelitz) verstärkt worden. Namen, die im Berliner Fußball einen gewissen Klang haben. Dazu kommt Francois Endene, Kameruner mit mexikanischem Pass, der einst für Pogon Stettin in der ersten polnischen Liga und für den albanischen Klub KS Besa Kavaje in der Qualifikation zum UEFA-Cup auflief. Das ist ein paar Tage her, inzwischen ist er 37 Jahre alt. Profierfahrung bringt auch der Portugiese Jorge Matos (39) mit.

Die Fehler der Vergangenheit wollen sie bei Italia kein zweites Mal machen, Meissner will den Verein nicht mehr von einem Geldgeber abhängig machen. Einen Marketingverantwortlichen gibt es schon, konkrete Pläne oder gar Geldgeber – außer für Häßlers Engagement – noch nicht. Bald einen Weltmeister an der Linie stehen zu haben, kann in Sachen öffentlicher Wahrnehmung sicher nicht schaden. „Nur deswegen wird jedoch keiner mit dem Geldsack vorbeikommen“, sagt Meissner.

An diesem Sonntag beginnt für Italia die Rückrunde mit einem Auswärtsspiel beim BFC Meteor 06 (13 Uhr, Ungarnstraße) . Dort kickte in der Jugend ein späterer Weltmeister. Sein Name: Thomas Häßler. Wenn er es zeitlich schaffe, werde er sich das Spiel ansehen, hat Häßler angekündigt.

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