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Serie "Heimathäfen der Kapitäne" |10.12.2014|13:13

Union Altona: Schon Adolf Jäger zog es zu 93

Adolf Jäger (ganz rechts) im Trikot von Altona 93. [Foto: Abbildung aus „Folkert Mohrhof: Die Ära Adolf Jäger“]

Aus ihren kleinen Heimatvereinen zogen sie einst aus, um die große Fußballwelt zu erobern und die Nationalmannschaft als Kapitäne aufs Feld zu führen. FUSSBALL.DE stellt die Heimathäfen der Kapitäne vor. Heute: Adolf Jäger ist das Klubidol von Altona 93. Dabei fing der Stürmer beim Ortsrivalen Union 03 an.

Der große Fußball findet in Hamburg noch immer in Altona statt. Wenn der einst so glorreiche HSV, der derzeit in der Bundesliga um das Überleben kämpft, spielt, strömen mehr als 50.000 Zuschauer in die Arena nach Bahrenfeld, einem Stadtteil des Bezirks Altona. Mittlerweile findet im früheren Arbeiterviertel im Westen Hamburgs aber auch der kleine Fußball statt. Keine sechs Kilometer entfernt von der Heimstätte des HSV wollen nur eine Handvoll Zuschauer am Rasenplatz in der Waidmannstraße die Kreisligaspiele von Union 03 Altona sehen. Wenn die Zweite Mannschaft von Altona 93 zum Derby kommt, können es schon einmal 100 sein. Die beiden Klubs haben ihre einstige Vormachtstellung im Bezirk längst an den Eindringling aus Rotherbaum verloren.

Sie leben nur noch von ihrer Tradition - und das mehr schlecht als recht. Dabei haben sie hier wirklich etwas vorzuweisen: Altona 93 zählte 1900 in Leipzig zu den Gründervereinen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). 1903 richtete der Klub das erste Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft aus und benannte seinen Platz später nach seinem berühmtesten Spieler: Adolf Jäger – ein früher Star des deutschen Fußballs. Zwischen 1908 und 1924 schoss Jäger in 18 Spielen elf Tore für die Nationalmannschaft, zehnmal lief er als Kapitän auf. Bevor der Stürmer mit 18 Jahren zum ersten Mal für Altona 93 spielte, dem Klub, bei dem er berühmt wurde, lief Jäger für Union 03 auf. „Er hat ursprünglich bei uns angefangen“, sagt Jurica Perkovic, seit acht Jahren Erster Vorsitzender von Union. In Albert „Ali“ Beier und Kurt Stössel brachte der Klub zwei weitere Nationalspieler der 20er und 30er Jahre hervor. Auch der in Hamburg geborene kroatische Auswahlspieler Ivan Klasnic lernte das Fußballspielen einst bei Union, ehe es ihn zum benachbarten FC St. Pauli und anschließend zu Werder Bremen in die Bundesliga zog. „Deutsche und einen kroatischen Nationalspieler haben wir hervorgebracht“, sagt Perkovic, der Klasnic aushilfsweise trainierte, als der noch ein „lütter Butscher“ (Perkovic) war. „Keine schlechte Bilanz. Aber leider kann man sich davon nichts kaufen.“

Denn Union spielt nicht nur im Schatten der beiden mächtigen Hamburger Klubs HSV und St. Pauli - nicht einmal in Altona steht der Verein im Blickpunkt. „Es ist sehr schwierig für uns“, sagt Perkovic, der in einem Alter Präsident wurde, in dem andere noch auf dem Fußballplatz stehen. Mit 33 Jahren übernahm der Hamburger Verantwortung in seinem Heimatklub, für den er in der Jugend spielte und neben dessen Sportplatz er aufwuchs. „Es wollte kein anderer machen“, erzählt Perkovic. „Damals war ich jünger als mancher Spieler.“ Neben Zeit kostete den Unternehmer sein Herzensklub auch Geld. „Aber das verpufft, das bringt uns auch nicht weiter.“ Union fehlt nach Jahren des Niedergangs der Unterbau. Mit zwei Herren-Mannschaften ist der Verein zwar in die Kreisliga zurückgekehrt - allerdings reicht es im Nachwuchs nur noch für ein F-Jugend-Team. Altona 93 dagegen zählt im Nachwuchsbereich immer noch zu den besten Adressen in Hamburg.

„Heute muss man die Spieler schon anbetteln, dass sie in den Verein eintreten und Mitgliedsbeitrag bezahlen“

Die Fusion der Rivalen scheitert

In diesem Jahr hätte das Schicksal, das keinen Halt vor Tradition macht, die beiden Altonaer Ortsrivalen beinahe zusammengeführt – doch die geplante Zusammenarbeit scheiterte. 93 wollte seine Oberliga-Heimspiele nicht mehr länger in der maroden und längst an einen Immobilien-Investor verscherbelten Adolf-Jäger-Kampfbahn austragen, sondern gemeinsam mit Union den Sportplatz an der Waidmannstraße nutzen. 93 will aufsteigen und wollte das Rudolf-Barth-Stadion regionalligatauglich machen. Dann wurden die Gespräche abgebrochen, die Vereine weisen sich gegenseitig die Schuld zu. Dafür kehrt vielleicht die Zweite Mannschaft des FC St. Pauli bald zurück nach Altona. Zwei Oberliga-Spielzeiten lang trug die Reserve der Kiezkicker ihre Heimspiele im Rudolf-Barth-Stadion aus, nach dem Aufstieg in die Regionalliga zog sie nach Norderstedt um. Sobald Union einen Kunstrasenplatz hat, kehrt St. Pauli zurück. Es hängt – mal wieder – am lieben Geld.

Der frühere Bundesliga-Torwart Richard Golz, ausgerechnet ein ehemaliger HSVer, kam gerade in seiner Magisterarbeit zu dem Schluss, nur ein finanzstarker Investor könne dem Fußball in Altona jetzt noch helfen. Von dem träumt wahrscheinlich jeder sieche Traditionsklub. Der HSV hat im milliardenschweren Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne einen gefunden - aber wer hat schon ein Herz für die Amateurvereine aus Altona? „Heute muss man die Spieler schon anbetteln, dass sie in den Verein eintreten und Mitgliedsbeitrag bezahlen“, klagt Perkovic.

Die aus der Fusion mehrere „wilder“ Fußballvereine entstandene Union 03 zählte von 1905 bis 1936 und noch einmal von 1945 bis 1947 zur fußballerischen Elite in Deutschland. Während der Weimarer Republik stand Altona neunmal in der Endrunde um die Norddeutsche Meisterschaft. 1937, nach dem Anschluss der zuvor selbständigen Gemeinde Altona, benannte sich der Klub in FC Union Hamburg um. Nach dem Krieg, aus Union Hamburg war wieder Union Altona geworden, konnte sich der Verein nicht mehr für die 1947 neu eingeführte Oberliga Nord qualifizieren. Bis 1963 hielt sich der Klub noch in der Zweitklassigkeit, dann ging es rasant bergab. „Wir wurden durchgereicht und sind ins Bodenlose abgestürzt“, sagt Perkovic, der als Aktiver mit Union immerhin noch in der Landesliga kickte. 2013 stieg der Klub in die Kreisklasse ab – tiefer geht es nicht. Mittlerweile ist der Klub immerhin in die Kreisliga 2 zurückgekehrt. „Wir wollen zurück in die Bezirksliga“, sagt der Präsident. Von der Oberliga, in der der Ortsrivale spielt, wagen sie gar nicht erst zu träumen.

Sepp Herberger zählte zu den Bewunderern

Altona 93 war den Unionern schon früher voraus. Der Kultklub hielt sich bis zur Gründung der Bundesliga 1963 in der Oberliga Nord und erreichte 1964 das Halbfinale des DFB-Pokals. Nach dem zwischenzeitlichen Abstieg in die Verbandsliga gelang 2008 die Rückkehr in die Regionalliga. Nur eine Saison später musste 93 allerdings wieder in die Oberliga absteigen und kämpft seither um den Aufstieg. In der Adolf-Jäger-Kampfbahn soll nicht nur die erfolgreiche Vergangenheit glorifiziert werden – das Klubidol soll auch Pate für eine Zukunft abseits des Profibetriebs stehen.

Jäger war nach seinem Wechsel zu 93 zu einem der besten deutschen Fußballspieler aufgestiegen. Rund 2000 Treffer in mehr als 700 Spielen werden ihm zugeschrieben – mit 93 feierte er mehrere Hamburger und Norddeutsche Meisterschaften. Als erster Spieler überhaupt führte Jäger die Nationalmannschaft zehnmal als Kapitän aufs Feld. 1912 schoss er beim 1:5 gegen Österreich im Auftaktspiel der Olympischen Spiele den Ehrentreffer der deutschen Auswahl. 1924 - Jäger hatte Jahre seines Lebens als Soldat im Ersten Weltkrieg verloren, zweimal wurde er bei Kämpfen an der Westfront verwundet - verabschiedete sich der 35-Jährige beim 1:1 gegen die Schweiz in Stuttgart von der Nationalmannschaft.

Folkert Mohrhof zitiert in seinem gerade erschienenen Buch „Die Ära Adolf Jäger“ aus einem zeitgenössischen Spielbericht: „Und so tritt Altmeister Jäger von der Bühne der weit interessierenden internationalen Länderkämpfe ab. Als Mann der Reife, der Tatkraft, aber der nie gewichenen Uneigennützigkeit, der sich selbstlos im Hintergrunde hält, um das Ganze zu stützen. Gewiß, die letzten Kämpfe offenbaren einen alternden Spieler, der nicht neunzig Minuten mehr so restlos seine Nervenbeherrschung wahren kann, wie einst in jüngeren, schöneren Tagen. Aber: wie er in allen Spielen stritt, leidenschaftslos, kaltblütig, dennoch heißen Willens und glühender Tatkraft voll, fair und ritterlich, sich restlos einsetzend für die Mannschaft, mit Hirn und Herz und allen Muskeln, so und nicht anders erlebt man den deutschen Altmeister auch in seiner letzten, internationalen Leistungsprobe. Kann es eine herrlichere Bestätigung reinsten Sportmannstums überhaupt geben?!“ Der legendäre Weltmeister-Trainer Sepp Herberger urteilte einst über Jäger: „Adolf Jäger war der Größte, den wir je hatten. Er war ein Stratege.“

Jäger, der als Zigarrenverkäufer, Herrenausstatter und Anzeigenverkäufer an der Seite des Verlegers John Jahr sein Geld verdiente, starb 1944 im Alter von 55 Jahren bei Bombenentschärfungsarbeiten am Elbufer. Er liegt begraben auf dem Altonaer Hauptfriedhof am Volkspark – direkt neben dem Stadion des HSV.

Alle Folgen der Serie:

Ballack: Der Capitano aus dem Chemnitzer Kombinat

Kohler: Zu Hause in Lambsheim feierte ihn sogar der Rivale

Ludwig Leinberger: Der vergessene DFB-Kapitän des TSV 1846 Nürnberg

TB Gingen: Ein Klinsmann unter lauter Turnern

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