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Regionalligist FC Oberlausitz Neugersdorf |21.10.2015|09:50

da Silva: "Einen wie Piplica hätte ich gerne"

Die beiden jubelten, wenn auch nicht allzu häufig, gemeinsam für Energie Cottbus: Vragel da Silva und Kultkeeper Tomislav Piplica (linkes Foto, vorne). Heute ist da Silva Coach in Neugersdorf (rechts). [Foto: Imago / Collage: FUSSBALL.DE]

Der FC Oberlausitz Neugersdorf ist in der Regionalliga Nordost die wohl größte Überraschung. Als Aufsteiger führt der FCO die Tabelle nach 13 Spieltagen an. An der Seitenlinie steht in Vragel da Silva (41) ein brasilianischer Ex-Profi. Acht Jahre war er für den FC Energie Cottbus am Ball, wurde anschließend Jugendtrainer bei den Lausitzern.

Im aktuellen FUSSBALL.DE - Regionalliga-Interview der Woche spricht Vragel da Silva mit dem Journalisten Thomas Ziehn über den sportlichen Erfolg, ein kurioses Eigentor von Tomislav Piplica und das „Überwintern“ eines Brasilianers in Deutschland.

"Ich habe immer von meiner Kraft gelebt - und von meinem Kopfballspiel. Dafür habe ich hart und lange am Kopfballpendel geübt"

FUSSBALL.DE: Wenn Ihnen vor der Saison jemand gesagt hätte, dass Sie mit Ihrer Mannschaft nach 13 Spieltagen auf Rang eins stehen: Was hätten Sie gedacht, Herr da Silva?

Vragel da Silva: Ganz klar: Ich hätte ihn für verrückt erklärt. Unsere Mannschaft hatte in der Oberliga ihr Leistungsvermögen angedeutet. Die Chance, um die Plätze sieben, acht oder neun mitzuspielen, haben wir schon gesehen. Dass wir nun aber so weit oben stehen, damit war nun wirklich nicht zu rechen.

FUSSBALL.DE: Warum ist der FCO aktuell Tabellenerster?

Da Silva: Mir imponieren vor allem die Siegermentalität und die Leidenschaft. In der ausgeglichenen Regionalliga Nordost können schon zehn Prozent mehr oder weniger Willen den Unterschied ausmachen. Wir werfen immer alles in die Waagschale. In der Abwehr ist es gelungen, uns schnell auf die vierte Klasse einzustellen. Anfangs hatten wir Probleme, weil wir in der Oberliga eher selten gefordert wurden. Das führte zu Beginn zu vielen Gegentreffern. Wir haben das aber schnell in den Griff bekommen.

FUSSBALL.DE: Können Sie Platz eins in den kommenden Wochen verteidigen?

Da Silva: Keine Frage, dass wir das gerne wollen. Unser Fokus muss aber darauf liegen, in möglichst jedem Spiel etwas mitzunehmen. Reicht ein Unentschieden dann nicht, um Erster zu bleiben, ist das okay. Wir sollten uns da keinen großen Druck machen. Den haben andere Mannschaften, die unbedingt um den Aufstieg mitspielen müssen. Wir müssen gar nichts. Diese Leichtigkeit wollen wir uns bewahren.

FUSSBALL.DE: Am Sonntag gastieren Sie mit Ihrer Mannschaft zum Spitzenspiel beim Meisterschaftsfavoriten FSV Zwickau, der nur einen Zähler Rückstand aufweist. Hatte sich Ihre Mannschaft nach dem Aufstieg auf diese Höhepunkte besonders gefreut?

Da Silva: Die Vorfreude auf das Spiel in Zwickau war schon vor zwei Wochen groß. Als Trainer muss ich dann eingreifen und den Fokus auf das nächste Spiel lenken. Was hätte es genützt, gegen Babelsberg leer auszugehen und dann als Verlierer nach Zwickau zu fahren. Einige unserer Spieler brennen in Zwickau auf Revanche für das 0:1 im Verbandspokal in der vergangenen Saison.

FUSSBALL.DE: Sie sind gerade dabei, den FC Oberlausitz Neugersdorf auf der bundesweiten Fußball-Landkarte bekannter zu machen. Wie ist die Arbeit als Trainer in der 5.800 Einwohner-Gemeinde?

Da Silva: Es stimmt, dass viele Experten den Klub bisher noch nicht auf dem Zettel hatten. Das ging dem FC Energie Cottbus einst aber genauso. Wir arbeiten unter guten Bedingungen, haben ständig drei bis vier Plätze zur Verfügung. Es ist möglich, dass wir vor- und nachmittags trainieren, weil wir viele Profis im Kader haben. Unser Ziel ist, den Verein Schritt für Schritt weiterzuentwickeln - und ihn auf die Zettel der Experten zu bringen.

FUSSBALL.DE: Ist die Regionalliga vorläufig das Ende der Fahnenstange für den Klub?

Da Silva: Wir zählen ganz sicher nicht zu den finanziellen Schwergewichten der Liga. Momentan würden die Bedingungen noch nicht für die 3. Liga reichen. Wir sind schließlich Aufsteiger aus der Oberliga. Entscheidend wird sein, den Klub in allen Bereichen voranzubringen. Dann kann man vielleicht irgendwann über Liga drei nachdenken.

FUSSBALL.DE: Auffällig ist, dass viele Tschechen für den FCO am Ball sind.

Da Silva: Das stimmt. Neugersdorf liegt direkt an der tschechischen Grenze. Da ist es naheliegend, auch über die Landesgrenzen hinaus zu schauen. Ich denke, dass wir eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen sowie deutschen und ausländischen Spielern haben. Ich war selbst ausländischer Spieler in Deutschland und weiß genau, wie wichtig Verständigung ist. Wenn du in der Kabine nicht mitreden kannst, fühlst du dich auch nicht wohl. Deshalb ist ein Deutschkurs bei uns Pflicht.

FUSSBALL.DE: Als Profi des FC Energie Cottbus waren Sie von 2001 bis 2009 besonders für Ihre Kopfballstärke bekannt. Stimmt es, dass Sie in Ihrer brasilianischen Heimat stundenlang am Kopfballpendel geübt haben?

Da Silva: Als Fußballer muss man wissen, wo seine Stärken liegen. Ich war nie der brasilianische Techniker. Ich habe immer von meiner Kraft gelebt - und von meinem Kopfballspiel. Dafür habe ich in der Tat hart und lange am Kopfballpendel geübt.

FUSSBALL.DE: Gibt es auch in Neugersdorf ein Kopfballpendel?

Da Silva: Das haben wir. In den Wintermonaten ist das Üben daran eher schlecht. Im Sommer gibt es aber schon die eine oder andere Einheit.

FUSSBALL.DE: Machen Sie Ihren Jungs noch etwas vor?

Da Silva: Mit etwas mehr als 100 Kilo tue ich mich heute zugebenermaßen etwas schwer und lasse das daher lieber ( lacht ).

FUSSBALL.DE: Einer Ihrer Mitspieler in Cottbus war Torhüter Tomislav Piplica, der unter anderem für seine Ausflüge bekannt und gefürchtet war. Unvergessen ist sein Kopfball-Eigentor beim 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach. Heute sind Sie Trainer: Hätten Sie Piplica gerne in Ihrer Mannschaft?

Da Silva: Auf jeden Fall! Er war und ist ein Riesen-Typ mit einer bemerkenswerten Siegermentalität. Tomislav ist für jede Gruppe positiv. Als Torwart war er hervorragend, manchmal aber auch eine Wundertüte. Fehler sind normal. Das Kopfballeigentor gegen Gladbach war jedoch schon sehr kurios.

FUSSBALL.DE: Mit dem Karlsruher SC, dem SSV Ulm 1846 und dem FC Energie Cottbus mussten Sie einst als Spieler einen Abstieg hinnehmen. Mit Cottbus gelang später aber die Rückkehr in die Bundesliga. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Da Silva: Ganz ehrlich: Ich wollte Deutschland am liebsten gleich wieder verlassen. Vor meinem Wechsel zum KSC hatte ich in Dänemark für Bröndby Kopenhagen Champions League gespielt. Dann kam ich nach Deutschland und bin mit Karlsruhe nach einem halben Jahr aus der 2. Liga abgestiegen. Im Anschluss bin ich nach Ulm gewechselt und wieder abgestiegen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mir Gedanken gemacht, wie es weitergehen sollte. Ich hatte dann die Wahl zwischen Cottbus und St. Pauli. Beim FCE fand ich mein Glück. St. Pauli stieg übrigens wenig später ab.

FUSSBALL.DE: Vor Ihrem Engagement beim FC Oberlausitz Neugersdorf waren Sie Nachwuchstrainer beim FC Energie Cottbus. Was ist im Seniorenbereich anders?

Da Silva: Der größte Unterschied ist der Umgang mit den Spielern. Beim FCO haben die meisten schon selbst Familie, stehen ganz anders im Leben als U 19-Spieler. Daher ist die Ansprache auch anders. Bei den Junioren steht die Motivation im Vordergrund, bei den Senioren die Taktik. Auch die Einflussnahme auf das Spiel unterscheidet sich. Ein gestandener Regionalliga-Spieler entscheidet auf dem Platz viel mehr selbst.

FUSSBALL.DE: Wie ist Ihr Verhältnis heute zum FC Energie, bei dem Sie große Fußstapfen hinterlassen haben?

Da Silva: Wir sind freundschaftlich auseinander gegangen. Ich schaue ab und zu noch beim Training vorbei. Mit dem jetzigen Cheftrainer Vasile Miriuta hatte ich ja noch selbst zusammengespielt. Wenn wir uns treffen, gibt es nur Fußball als Gesprächsthema - sehr zum Leidwesen unserer Frauen ( lacht ).

FUSSBALL.DE: Sie waren für Ihre robuste Spielweise bekannt, wurden einige Male für längere Zeit gesperrt. Wie ist der Trainer Vragel da Silva heute an der Seitenlinie?

Da Silva: Ich fahre eine harte Linie, denn ich möchte nicht, dass meine Spieler sich gegenüber Gegenspielern unfair verhalten. Fehlverhalten werden von mir sofort geahndet. Ich habe aus meinen eigenen Fehlern gelernt und weiß, dass das damals nicht gut war. Wenn man im Internet über mich recherchiert, stößt man unweigerlich auf die Tätlichkeit, zu der ich mich bei einem Spiel gegen Hannover 96 hatte hinreißen lassen. Ich wurde für acht Spiele gesperrt. Diese negative Phase meiner Karriere gefällt mir ganz sicher nicht.

FUSSBALL.DE: Sie sind zwar schon seit vielen Jahren in Deutschland. Ist die Winterzeit für Sie als gebürtigen Brasilianer trotzdem hart?

Da Silva: Ja! 30 bis 35 Grad sind mir viel lieber. Aber auch der Winter geht vorbei.