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Kultfigur |28.07.2017|12:30

Der Unantastbare: Höß regiert in Pipinsried

Ihm macht beim Regionalliga-Aufsteiger FC Pipinsried niemand was vor - und das seit Jahrzehnten: Konrad Höß. [Foto: Imago]

Er ist streitbar, er ist eigensinnig, er ist unantastbar, er ist fußballverrückt. Und eines ist er ganz besonders: Konrad Höß ist Kult. Daran gibt es keinen Zweifel. Vor genau 50 Jahren hat Höß den FC Pipinsried gegründet. Das bayerische Dorf im Landkreis Dachau hat 350 Einwohner, der Verein hat mittlerweile mehr Mitglieder. Und auch sportlich läuft es besser als je zuvor. Der FC Pipinsried ist in die Regionalliga Bayern aufgestiegen. Vor wenigen Tagen stand das erste Meisterschaftsspiel auf dem Programm (0:2 gegen Schweinfurt). Dass es soweit gekommen ist, ist vor allem der Verdienst von Konrad Höß. Der 76-Jährige ist das Gesicht des Klubs. Was er sagt, wird gemacht. Höß ist unsere FUSSBALL.DE-Kultfigur der Woche.

Sein Tag beginnt meist um 4.30 Uhr und endet um kurz vor Mitternacht. In dieser Zeit dreht sich alles um den FC Pipinsried. Seine Worte haben Widerhall. Die Süddeutsche Zeitung hat einen Beitrag über Konrad Höß vor einigen Jahrent mit der Überschrift „Patriarch und Platzwart“ versehen. Und das trifft es ganz gut. Denn Höß macht tatsächlich fast alles – und das gerne und ehrenamtlich: „Ohne mich würde es diesen Verein nicht geben. Und das soll nicht überheblich klingen. Das ist so. Wenn uns das Geld und die Möglichkeiten zur Verfügung stehen würden, die 1860 München hatte, dann würden wir jetzt in der Bundesliga spielen. Nun treffen wir uns demnächst in der Regionalliga.“

"Wir sind ein kleiner Dorfklub. Eigentlich haben wir in der Regionalliga nichts verloren. Die Mannschaft trainiert zweimal in der Woche"

Höß ist die gute Seele des Vereins, manchmal allerdings ist er auch die böse Seele des Vereins. Und zwar genau dann, wenn er mal wieder nachdrücklich deutlich macht, was ihm gerade nicht passt. Widerworte sind dann nicht unbedingt die beste Wahl. Höß ist sympathisch selbstbewusst. „Ich glaube nicht, dass es vielen Menschen gelungen ist, so etwas aufzubauen“, sagt er beispielsweise. Und man nimmt es ihm direkt ab. Der FC Pipinsried war seine Idee, sein Baby. Er hat es groß gezogen. Inzwischen ist es erwachsen geworden. Und langsam aber sicher wächst ihm die ganze Geschichte über den Kopf.

Denn die vergangenen Wochen waren mal wieder besonders intensiv. Die Verantwortlichen mit Höß an der Spitze hatten große Mühe, die Auflagen für die Regionalliga zu erfüllen. Der FC Pipinsried ist ein reiner Amateurverein, allerdings ist er nun an der Schwelle zum Profifußball angekommen. „Nur dank eines extremen Kraftakts konnten wir die gestellten Hürden noch einmal gemeinsam bewältigen“, sagt Höß. „Dabei ist mir aber auch mal wieder ganz deutlich geworden, dass wir damit sportlich am Ende der Fahnenstange angelangt sind. Wir sind ein kleiner Dorfklub. Eigentlich haben wir in der Regionalliga nichts verloren. Die Mannschaft trainiert zweimal in der Woche. Auf diesem Niveau ist das wahrscheinlich einmalig in Deutschland.“

Manchmal wird Höß die ganze Sache zu viel. Sein Körper hat ihm bereits einmal einen ziemlich nachdrücklichen Hinweis geschickt, dass er doch bitte etwas kürzer treten möge. Es war vor ziemlich genau sechs Jahre, es war im April 2011, er war ein Freitagmorgen. Höß erlitt einen Herzinfarkt. Es war so schlimm, dass die Rettungssanitäter ihn fast schon aufgeben wollten, aber sie retteten sein Leben. Höß kämpfte im Krankenhaus gegen den Tod. Nach sechs Tagen im Koma öffnete er die Augen. Er schaute in einige bekannte aber viele fremde Gesichter. Die erste Frage die er stellte lautete: „Wie haben wir am Wochenende gespielt?“

Das ist nur eine von vielen Geschichten, die zeigt, wie fußballverrückt Höß tatsächlich ist. Seit 50 Jahren pflegt er den Rasen im Stadion. „Ich kenne hier jeden Grashalm“, sagt er. „Ich führe zuhause eine Statistik, wieviel Liter Regenwasser der Rasen bereits bekommen hat. Anhand dessen weiß ich ganz genau, was ich machen muss, damit er perfekt. Hier kann mir keiner etwas vormachen.“ Und seine beste Mitarbeiterin ist seine Frau, die seine Leidenschaft für den FC Pipinsried teilt. Sie wäscht die schmutzigen Trikots, sie bereits die Verpflegung für die Zuschauer vor, sie macht all das, worum sich ihr Mann nicht auch noch kümmern kann. „Meine Frau ist das größte Glück, das ich habe“, sagt Höß.

Zuletzt musste er mal wieder etwas kürzer treten. Es waren Nachuntersuchungen wegen seines Herzinfarktes nötig. Die Ärzte haben ihm noch einmal eindringlich ermuntert, zukünftig etwas kürzer zu treten. Gleichzeitig haben sie ihm einen Herzschrittmacher eingesetzt. Fast der erste Weg, nachdem Höß das Krankenhaus verlassen hatte, führte ihn auf die Anlage des FC Pipinsried. Er kann einfach nicht anders. Einmal Fußball, immer Fußball. Einmal Ehrenamt, immer Ehrenamt.

Aber natürlich befolgt er auch die Ratschläge seiner Ärzte. Bei Auswärtsspielen ist er nur noch in Ausnahmefällen dabei – gerade jetzt in der Regionalliga, wenn die Anfahrten länger. Zudem versucht er nach und nach, die Verantwortung in andere Hände zu legen. Aber leicht fällt ihm das keinesfalls. Wer vertraut anderen schon gerne sein Lebenswerk an? Höß bleibt keine andere Wahl mehr. Er muss es jetzt tun. Er wird schließlich nicht jünger. „Ich weiß nicht, was passiert, wenn ich irgendwann mal nicht mehr da sein sollte“, sagt er, um dann mal wieder eine typische Konrad-Höß-Aussagen nachzuschieben: „Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es dann ziemlich schnell wieder in die andere Richtung gehen kann. Ich habe einfach ein Gespür für den Fußball. Und das hat uns so weit nach oben gebracht.“

Höß ist für seine außergewöhnlichen Methoden oft belächelt worden. Heute grüßt er von ganz oben. Viel weiter kann ein reiner Amateurverein eigentlich nicht mehr klettern. Ein ganz wichtiger Baustein im Konzept von Konrad Höß ist es, immer einen Spielertrainer als sportlich Verantwortlichen zu verpflichten. „Wir haben kein Geld, um auch noch einen Trainer zu bezahlen. Irgendwann kam mir die Idee, dass ich einfach einen Spielertrainer verpflichte. Damit habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Ich bin dafür oft ausgelacht worden. Aber der Erfolg gibt mir Recht“, sagt Höß.

Der FC Pipinsried hat durchaus einen beachtlichen Verschleiß auf dieser Position. Kontinuität ist nicht unbedingt das große Thema von Konrad Höß. Wer einmal bei ihm aneckt, hat oft schlechten Karten und keine große Zukunft mehr im Verein. Derzeit ist Fabian Hürzeler der verantwortliche Spielertrainer. Er ist gerade 24 Jahre alt und hat in der Jugend bei 1860 München und dem FC Bayern gespielt. Zudem war er deutscher Junioren-Nationalspieler. Höß hält große Stücke auf ihn: „Er macht einen tollen Job. Fabian Hürzeler hat die Mannschaft in die Regionalliga geführt. Ich bin froh, dass wir ihn in unseren Reihen haben.“ Er ist als zentraler Mittelfeldspieler der Kopf der Mannschaft – auf und neben dem Platz. Als er kam, hat das Team gegen den Abstieg gespielt. Mit ihm gelang der Sprung in die Regionalliga.

Hürzeler hat eine Mannschaft zusammen, für die es nun nur noch darum gehen kann, die Klasse zu halten. Alles andere wäre Träumerei. Aber der Kader ist durchaus nicht uninteressant. Zum Beispiel war dort mit Savio Nsereko auch ein großer Name zu finden, der in der Vergangenheit noch viel größere Schlagzeilen geschrieben. Nsereko war Teil der DFB-Auswahl, die 2008 die U 19-Europameisterschaft gewann. Nsereko wurde hinterher zum Spieler des Turniers gewählt. Alle prophezeiten ihm eine goldene Zukunft. Sein Wechsel zu West Ham United für die damalige Rekordablösesumme von elf Millionen Euro war der logische Schritt für den rasanten Flügelspieler.

Aber dann folgte Nserekos beispielloser Absturz, der nun in Pipinsried enden sollte – aber Konrad Höß ließ es nicht zu: „Ich war von Anfang an nicht glücklich über diese Geschichte. Mein Sohn ist Anwalt und er wollte Nsereko helfen. Pipinsried ist dafür nicht der richtige Ort ist. Es hat immer wieder Trubel und Probleme gegeben. Mir ist das alles etwas zu viel geworden.“ Der Vertrag mit Nsereko wurde aufgelöst.

Für Trubel ist in Pipinsried sowieso eigentlich nur Konrad Höß persönlich zuständig – der liebenswürdige und streitbare Vereinspatriarch.

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