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Themenwoche Fairplay|04.11.2014|12:00

Die Kicker aus dem Block: Wer prügelt, fliegt

In der vergangenen Saison feierte der FC Mainfeld souverän die Meisterschaft in der Kreisliga B. [Foto: FC Mainfeld]

Mert Alemdar rennt brüllend die Seitenlinie entlang. Mit entblößtem Oberkörper springt er gegen die Eckfahne, seine Mitspieler können ihn nur mit Mühe einfangen. Von Schiedsrichter Patrick Konieczny sieht Alemdar für diesen exzessiven Torjubel selbstverständlich die Gelbe Karte. Dem Spielertrainer des FC Mainfeld ist es sichtlich egal, nach seinem Siegtreffer zum 2:1 über den FC Kosova Ffm mussten sie eben irgendwohin, seine Emotionen, vielleicht auch seine Aggressionen. „Wir sind Jungs von der Straße, wir sind alles keine leichten Charaktere“, sagt Ersin Alemdar, Abwehrchef der Mainfelder und Bruder des Torschützen. Aber schwere Jungs sind sie auch nicht. Dafür soll nicht zuletzt der Fußball sorgen.

Ihr Stigma haben sie kurzerhand zum Markenzeichen gemacht. Das Logo des Fußballklubs zieren drei Hochhäuser. Das Mainfeld im Frankfurter Stadtteil Niederrad wirkt wie eine aus der Zeit gefallene Wohnblock-Siedlung aus ganz viel Beton und ganz wenig Glas. Im Kontrast dazu stehen die Fassaden der neu hochgezogenen Büropaläste in der Nachbarschaft. „Wir wären jetzt sonst alle auf der Straße“, sagt Ersin Alemdar und streift sich die Schienbeinschoner ab. Wenn sie jetzt nicht kicken würden auf dem Aschenplatz in Niederrad, würden sie inmitten der Hochhäuser auf dem Asphalt herumlungern. „Wir hätten am Vorabend gefeiert, wären um 14 oder 15 Uhr aufgestanden und hätten in den Tag hinein gelebt.“ Auf der Straße war ihnen auch die Idee gekommen, einen Fußballklub zu gründen. „Wir haben am Kreisel herumgelungert, wie immer“, erzählt Ersin. „Mein Bruder meinte dann: Wir sind doch alle fußballverrückt. Warum gründen wir keinen Verein?“

Mert Alemdar hatte schließlich viele Jahre lang gehofft, mit Hilfe des Fußballs dem Mainfeld entkommen zu können. Als A-Junioren-Bundesligaspieler im Trikot von Kickers Offenbach durfte er sich berechtigte Hoffungen machen, auch zuvor schon als Mannschaftskamerad der heutigen Bundesliga-Profis Sebastian Jung, Sebastian Rode und Jan Kirchhoff in der Jugend von Eintracht Frankfurt. Zwei Kreuzbandrisse hätten ihn entscheidend zurückgeworfen, sagt der 24 Jahre alte Mert Alemdar, der gemeinsam mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder einen Getränkegroßhandel in Rüsselsheim führt. Heute wollen die Deutschtürken das Mainfeld nicht mehr verlassen, sondern lieber den schlechten Ruf verbessern.

Auf Anhieb aufgestiegen

„Fairplay auf und neben dem Platz schreiben wir groß. Rassismus und Gewalt werden bei uns nicht geduldet.“

„Wir kommen aus einem sozialen Brennpunkt, sind aber keine Assis“, sagt Ersin Alemdar. „Das haben wir in der vergangenen Saison schon bewiesen.“ Denn aus dem nächtlichen Spaß wurde Ernst. Die Fußballverrückten schrieben die Firmen aus der Umgebung an, fanden ein paar Sponsoren und erhielten finanzielle Unterstützung vom Quartiersmanagement und aus dem örtlichen Jugendhaus. Das erste Training des neuen Klubs fand auf dem Bolzplatz zwischen den Hochhäusern statt. Ersin sagt: „Wir haben die spielenden Kinder verscheucht und gesagt: Jungs, der FC Mainfeld hat jetzt Training.“

In der Debütsaison 2013/2014 stieg der FC Mainfeld auf Anhieb in die Kreisliga A auf. Die Kicker vom Bolzer waren schließlich mit Anspruch angetreten. „Wären wir nicht aufgestiegen, hätten wir den Verein wieder geschlossen“, sagt Ersin Alemdar. Wer ihn und seinen ehrgeizigen Bruder auf dem Platz erlebt, hält das nicht für markige Sprüche: „Wir sind kein Schabernack-Verein.“

Derzeit rangiert die Mannschaft eine Klasse höher auf Platz 13. Weder auf noch neben dem Platz kam es bislang zu körperlichen Auseinandersetzungen. Unlängst wurde das Derby gegen die TSG Niederrad zwar zur Halbzeit abgebrochen und beide Klubs wurden für zwei Wochen vom Spielbetrieb suspendiert – allerdings hatten die Niederräder nach zwei Roten Karten den Schiedsrichter bedrängt. Die Kicker aus dem Mainfeld weigerten sich, um Ärger aus dem Weg zu gehen, zur zweiten Halbzeit noch einmal anzutreten - das Spiel wurde zu ihren Ungunsten gewertet. „Wir wollten Streit vermeiden“, sagt Ersin. Keine Selbstverständlichkeit für einen selbst organisierten Fußballverein aus einem sozial schwachen Umfeld.

„Viele unserer Spieler haben nicht die beste Geschichte“, umschreibt es Ersin. Die vielen Gelben Karten, die sein Team in dieser Saison bereits gesammelt hat, stören ihn. Daran wollen sie arbeiten. 20 Euro muss jeder Spieler laut Strafenkatalog für eine Verwarnung oder einen Platzverweis wegen Unsportlichkeit, Meckerns oder Beleidigung zahlen. Denn: „Fairplay auf und neben dem Platz schreiben wir groß. Wer sich prügelt oder Drogen nimmt, fliegt raus. Rassismus und Gewalt werden bei uns nicht geduldet.“ Vielmehr strahle der Verein mittlerweile gewinnbringend ins Privatleben seiner Spieler aus. „Seitdem es den FC gibt, sind Kriminalität und Drogenkonsum im Mainfeld zurückgegangen“, ist Ersin überzeugt. Schließlich muss jeder Spieler 100 Euro Strafe zahlen, wenn er alkoholisiert zum Training erscheint: „Das kann sich keiner von uns leisten.“

Anwohner fiebern mit

Der Fußball habe den Spielern wieder einen geregelten Tagesablauf gegeben, sie müssten Termine einhalten und Respekt vor den Mitspielern, dem Trainer, dem Schiedsrichter und den Gegnern zeigen, zählt Ersin Alemdar auf. Auch Kai Lotz, Sozialpädagoge und Einrichtungsleiter im Jugendtreff Mainfeldvilla, der in der Gründungsphase des Vereins mithalf, glaubt, dass die Jugendlichen durch den Verein lernen, „Verantwortung für sich und für ein Projekt zu übernehmen“ und der FC Mainfeld daher eine Vorbildfunktion für Jugendliche und Kinder hat. Beeindruckt zeigt er sich von der „Begeisterungsfähigkeit“, welche die Jugendlichen entwickelten. Durch die Gründung des FC Mainfeld habe sich eine größere Identifikation mit der Siedlung unter den Jugendlichen und ein verbessertes Gemeinschaftsgefühl entwickelt. Genau das hatte Mert Alemdar im Sinn, als er den Verein mitgründete. Dafür verzichtete er darauf, höherklassig zu spielen. „Ich hätte Verbandsliga spielen können, wozu mir auch mein Vater geraten hat. Letztlich habe ich mich dagegen entschieden, weil ich die Talente, die im Mainfeld wohnen, in einer Mannschaft vereinen wollte“, erzählt Mert.

Die Situation in ihrem Quartier habe sich in den vergangenen Jahren verschlechtert, meinen die Alemdars. Bewohner beschwerten sich vermehrt über Urin und Dreck in den Fluren oder eingeschmissene Scheiben. „Früher waren wir nur das Ghetto. Jetzt haben wir ein anderes Image des Mainfelds aufgezeigt, viele Bewohner fiebern mit unserem Verein mit, fragen nach den Ergebnissen“, erzählt Ersin. Wenn er heute im Mainfeld seine Wohnung verlässt, „stoße ich sofort auf sechs, sieben Mannschaftskameraden“. Sie seien mittlerweile eine Familie, versuchten sämtliche Probleme teamintern zu regeln. Manchmal öfter, als ihnen lieb ist. So gab der erste Trainer der Mainfelder nach drei Wochen entnervt auf. Seitdem trainieren sich die Kicker von der Straße selbst. Im Vorstand des Klubs sitzen ebenfalls nur Aktive. Immerhin haben sie die Mannschaft mittlerweile für Spieler außerhalb des Mainfelds geöffnet und künftig soll es auch Nachwuchsmannschaften geben. „Wir wollen ein Traditionsverein werden“, sagt Ersin Alemdar. Zwei Jahre haben sie auf dem Weg dorthin schon einmal zurückgelegt. Mehr, als viele ihnen zugetraut haben.

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