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DJK Arminia Ückendorf in Gelsenkirchen |01.12.2014|16:10

Ex-S04-Keeper Ünlü glücklich in der Kreisliga

Einst in der Bundesliga, jetzt in der Gelsenkirchener Kreisliga A: Volkan Ünlü. [Foto: Buschmann]

Gelsenkirchen-Ückendorf: Wer von außerhalb hierher kommt, hat oft nichts Gutes im Sinn. Das an vielen Stellen heruntergekommene Viertel im Süden der Schalke-Stadt, keine zehn Kilometer sind es von hier bis zur 190 Millionen Euro teuren Arena, muss oft als Kulisse für Dokumentationen herhalten – und zwar, wenn die Filmemacher das Ruhrgebiet von seiner schäbigsten Seite zeigen wollen.

Hier an der Bochumer Straße, dessen abgerockte Altbauten den Niedergang der vor 40, 50 Jahren mal blühenden Industriestadt trefflich abbilden, hat Arminia Ückendorf seine Heimat. Wie der Name Arminia schon vermuten lässt, ist es ein alter Traditionsverein und trägt ganz vorne das Kürzel DJK. Die katholische Jugend gründete vor fast 100 Jahren unter dem etwas heikel anmutenden Begriff Deutsche Jugendkraft ihren eigenen Sportverband. Mit etwa 507.000 Mitgliedern in etwa 1200 Vereinen sind die DJK-Klubs auch heute noch in der gesamten Bundesrepublik stark vertreten.

"Hier komme ich her, hier wohnt ein Großteil meiner Familie und meiner Freunde"

Wer heute allerdings ein Heimspiel in Ückendorf besucht, wie beispielsweise Ende November gegen TuS Rotthausen II , der wird vom einstigen katholischen Hintergrund der DJK Arminia nichts mehr spüren oder sehen. Statt der auf Fußballplätzen obligatorischen Würstchenbude gibt es auf der Bezirkssportanlage an der Gesamtschule Ückendorf einen Stand mit Fladenbrot, Salat und Tee. Die Spieler heißen Gökhan Önata, Ali Arikan, Bilal Sahin und Samet Alpay, der früher bei Wattenscheid 09 in der Jugend gespielt hat und 81 Einsätze in der NRW-Liga für Rot-Weiss Essen II und den VfB Hüls vorweisen kann.

Die Mannschaft des A-Ligisten in komplett türkischer Hand, zwei prominente Namen stechen dabei heraus: Ilkan Gündogan, Mittelfeldspieler und Cousin des BVB-Nationalspielers Ilkay, sowie Trainer Volkan Ünlü.

Der inzwischen 31-jährige Ünlü ist nicht nur in Gelsenkirchen, sondern in ganz Fußball-Deutschland wohl bekannt, obwohl er nur vier Bundesligaspiele für Schalke 04 bestritten hat. Es war der 27. März 2004, als sich Ünlü in der Bundesliga einen Namen machte: leider keinen wirklich guten. Beim 2:1-Sieg der Königsblauen im Revierderby beim VfL Bochum agierte Ünlü unter Trainer Jupp Heynckes als Stellvertreter des verletzten S04-Stammkeepers Frank Rost dermaßen nervös, dass er fast jeden Ball fallen ließ und von den Bochumer Fans fies verspottet wurde. Nachdem Ünlü aber mit einer fantastischen Parade in der vorletzten Minute den Schalker Sieg beim Nachbarn gerettet hatte, feierten ihn die eigenen Fans hymnisch.

Für Ünlü, der nach dem Abpfiff von Emotionen übermannt wurde und seinen Tränen freien Lauf ließ, war das denkwürdige Spiele dennoch nicht der Anfang vom Ende einer Karriere im Profifußball, sondern im Grunde schon das Ende ohne echten Anfang.

Seine abwechslungsreiche Odyssee über fünf verschiedene Vereine in der Türkei, einem in Belgien und einem in der schwäbischen Provinz führte in schließlich vor zwei Jahren zurück in seine Geburtsstadt Gelsenkirchen. „Ich hatte natürlich immer viel Kontakt in die Heimat, auch wenn ich mit dem Fußball weiter weg war. Hier komme ich her, hier wohnt ein Großteil meiner Familie und meiner Freunde“, betont Ünlü.

Vom Tor auf die Trainerbank

Gerade zu Arminia Ückendorf bestand schon länger ein enger Draht, auch wenn der türkische Ex-U21-Nationalspieler früher an der Bochumer Straße nie selbst im Tor stand. „Meine ganzen Kollegen spielen hier, daher war es für mich sofort klar, dass ich mitmache“, erzählt Ünlü. In der vorigen Saison spielte er noch selbst, allerdings nur in der zweiten Mannschaft und half dort zudem als Co-Trainer aus. Seit Sommer ist er nun der Chefcoach bei den Arminen und hat viel vor. Den Kasten hüten möchte er aber nicht mehr. „Ich könnte es mir einfach machen und mich selbst ins Tor stellen“, bemerkt Ünlü. „Das will ich nicht. Außerdem haben wir da in Ibo Omeirat einen guten Mann.“

Die Arminia indes will trotz der jüngsten Erfolge – Aufstieg vor einem Jahr von der Kreisliga B in die A-Klasse und dort aktuell ein Platz im oberen Mittelfeld der Tabelle – mehr sein als nur ein Fußballverein. In Zusammenarbeit mit dem Primus Bildungszentrum in der Stadtmitte bieten die Ückendorfer den Spielern Möglichkeiten zur Weiterbildung.

Ünlü ist mit seinem prominenten Namen so etwas wie ein Entwicklungshelfer oder Integrationsbeauftragter in dem multikulturellen Schmelztiegel. Dass er selbst mit dem aktiven Fußball abschließen wollte, war aber nur so eine Idee: Noch am letzten Sonntag stand er doch wieder auf dem Platz, allerdings nicht im Kasten, sondern als Feldspieler und schoss als Mittelstürmer beim 5:1-Sieg seiner Arminia gegen TuS Rotthausen 1910 zwei Treffer. Mit drei Saisontoren liegt er aktuell auf Platz 41 der A-Liga-Torjägerliste .

Als Spielertrainer hat Ünlü, der im Fußball ein ewig Suchender zwischen seinem Geburtsort und dem Land seiner Vorfahren war, in Ückendorf seine Heimat wieder gefunden – und ist sehr glücklich dabei.