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Fabian Lamotte in der Bayernliga Süd |21.02.2016|16:40

Studium & Kumpels: Ex-Profi Lamotte in Dachau

Bei Sturm Graz von den Fans gefeiert (links) und auch ein eigenes Tor in der Bundesliga bejubelt: Fabian Lamotte hat eine interessante Profifußballkarriere hinter sich. [Foto: Imago]

Er hat einst mit den früheren deutschen Nationalspielern Christian Pander sowie Mike Hanke den DFB-Juniorenpokal geholt und mit dem FC Schalke in der Bundesliga gespielt. Heute ist er 32 Jahre alt, spielt mit Kumpels in der Bayernliga Süd, bastelt an seiner Trainerausbildung, studiert Wirtschaft und ist sicher nur noch wenigen echten Kennern der Bundesligageschichte ein Begriff: Fabian Lamotte.

Es war der 13. März 2004, als Fabian Lamotte die große Bühne der Fußball-Bundesliga betrat. Schalkes damaliger Trainer Jupp Heynckes hatte den Rechtsverteidiger überraschend für das Auswärtsspiel der Gelsenkirchener bei Eintracht Frankfurt nominiert. Als dem späteren Triplegewinner mit Bayern München vor dem Anpfiff in Hessen die halbe Abwehr ausfiel, fand sich Lamotte plötzlich in der S04-Startelf wieder. „Damit hatte ich auch nicht gerechnet“, gibt Lamotte heute zu.

Beinahe zwölf Jahre später ist das vielleicht schönste Kapitel seiner Fußballer-Laufbahn weit weg – und zwar nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich. Lamotte ist nämlich inzwischen in Dachau gelandet, fast Mehr als 600 Kilometer südlich von Gelsenkirchen beziehungsweise seiner Heimatstadt Marsberg im Sauerland.

Insgesamt zehnmal durfte er das Schalker Trikot in der Bundesliga tragen, immerhin kommt er so nicht in den zweifelhaften Ruhm von Spielern wie unter anderem Till Bettenstaedt, Ciprian Deac (ebenfalls beide Schalke), Dirk Drescher (VfL Bochum), Ralph Jester (Hamburger SV) oder Mario Plechaty (Borussia Dortmund), die lediglich einen einzigen Einsatz in der höchsten deutschen Fußballklasse vorweisen können.

"Es wäre schön, im Fußball zu bleiben, aber für den Moment bin ich zufrieden, so wie es ist"

Lamotte, am 25. Februar 1983 in Diemelstadt geboren, wechselte in der C-Jugend vom örtlichen TuS Hesperinghausen in die viel gerühmte Nachwuchsabteilung des FC Schalke 04 . Gleichwohl war er noch vor Manuel Neuer, Mesut Özil, Julian Draxler, Max Meyer, Leroy Sané und den vielen anderen, die den Ruf der „Knappenschmiede“ als einer der weltbesten Fußball-Ausbildungszentren begründeten, einer derjenigen, die dort den Sprung von der Jugend in den Profibereich schafften. Lamotte ging allerdings den langsamen Weg, schön von der zweiten Mannschaft in der Ober- sowie Regional- bis an jenem Februartag im Jahr 2004 eben in die Bundesliga.

Der Auftritt in Frankfurt sollte für Fabian Lamotte aus gleich mehreren Gründen unvergessen bleiben. Klar, er war als Fußballer vielleicht am Ziel seiner Träume angekommen und hatte in der Bundesliga debütiert. Allerdings ging die Partie für Schalke mit 0:3 verloren und am Rande legte sich Schalkes Ex-Manager Rudi Assauer mit den Zuschauern an, weil diese Eintrachts Ex-Trainer Heynckes die ganze Spielzeit gnadenlos auspfiffen und von den Rängen aus beschimpften. „Assi“ macht seinem Ruf als „Kaschmir-Prolet“ alle Ehre, in dem er den geifernden Frankfurter Anhängern auf dem Weg zur Kabine schön den Mittelfinger entgegen streckte.

Lamotte spielte sich derweil in der Schalker Truppe um Kapitän Tomasz Waldoch , Torjäger Ebbe Sand und Kultkicker Jörg Böhme zunächst fest. Bis zum Saisonende kam er auf weitere sechs Einsätze, ehe er in der nächsten Spielzeit wieder in der U 23 verschwand und lediglich noch dreimal oben mitspielen durfte.

Weil es auf Schalke nicht vorwärts ging, wechselte Lamotte zur Serie 2005/06 zu 1860 München. Bei den „Löwen“ war er zunächst Stammspieler, aber in der darauffolgenden Saison nur noch zweite Wahl. „Nach den vielen Jahren bei Schalke habe ich in München eine neue Heimat gefunden. Das waren lehrreiche Zeiten in der zweiten Liga“, erinnert sich Lamotte.

Um weiter professionell Fußball spielen zu können, zog Lamotte erneut um, diesmal zu Sturm Graz in die österreichische Bundesliga. „Das war eine neue, interessante Erfahrung für mich und Graz ist auch eine tolle Stadt zu leben. Ich hatte allerdings immer nur einen Einjahresvertrag, der zwar dreimal verlängert wurde, aber dann war es vorbei“, berichtet Lamotte.

Nach immerhin 93 Einsätzen in vier Spielzeiten in der österreichischen Bundesliga hieß es für Lamotte erneut: Koffer packen. „Ich bin mit meiner damaligen Freundin nach Berlin gezogen, ihre Eltern wohnten dort, und ich habe mich bei Herthas U 23 fit gehalten“, erzählt Lamotte. „Leider habe ich in Berlin einen Achillessehnenriss erlitten und ein Jahr lang gar keinen Fußball gespielt, sondern war nur in der Reha. Danach habe ich noch ein halbes Jahr beim Oberligisten Viktoria Berlin gespielt, aber dann war es an der Zeit, eine Grundsatzentscheidung zu treffen.“

Mit Ende 20 und ohne einen Vertrag im bezahlten Sport hieß es für Lamotte nun: Entweder geht noch was im Profifußball oder er muss etwas anderes starten. „Ich habe mich für letzteres entschieden und bin nach München gezogen, wo meine jetzige Frau herkommt“, sagt der Rechtsverteidiger.

Weil im Leben meistens irgendwo eine neue Tür aufgeht, wenn eine vorherige zugefallen ist, packt Lamotte die Chance, die ihm der Fußball nicht mehr bietet, beim Schopf. Er beginnt an der FH in München ein BWL-Studium und schließt sich dem damaligen Landesligisten TSV Dachau an. „Dort konnte und kann ich jetzt beides miteinander verbinden: die berufliche Ausbildung voranzubringen und auf gutem Amateurniveau mit netten Kumpels Fußball zu spielen“, bemerkt Lamotte.

Parallel zum Studium arbeitet er 20 Stunden die Woche in einem Münchner Unternehmen als Werksstudent, denn auf Schalke, bei 1860 oder in Graz hat er keine Millionen verdient, die er jetzt noch locker verjubeln könnte. Neben dem Studium und dem Job in München sowie dem Fußball beim TSV Dachau bastelt Lamotte an seiner Trainerausbildung. Die C-Lizenz hat er bereits in der Tasche und wenn die Zeit günstig ist, will er den B-Schein nachlegen. Ob er dann wieder mehr auf den Fußball setzen wird oder nicht, lässt Lamotte locker auf sich zukommen. „Es wäre schön, im Fußball zu bleiben, aber für den Moment bin ich zufrieden, so wie es ist.“

Es gibt sicher nicht all zu viele Fußballer, die das von sich behaupten können, nachdem sie sich für eine gewisse Zeit im Glanz der Bundesliga sonnen durften und dann von der großen Bühne verschwunden sind. Manche landen danach im Dschungelcamp oder auf dem Arbeitsamt, weil sie keinen Plan B hatten – Fabian Lamotte schon.