Brüder-Trio beim SV AKM Köln: "Ohne Fußball geht es nicht"
Dreimal ist in der Aufstellung des SV AKM Köln der Name Reiß zu finden. FUSSBALL.DE spricht mit den Brüdern Toni, Reimund und Marco auch darüber, wer der Beste ist.
Mehr lesen
Aktuell technische Probleme bei FUSSBALL.DE.
An der Lösung des Problems wird mit Hochdruck gearbeitet.
Wir bitten um euer Verständnis.
Andi Neumeyer: Torjäger und Gastwirt. [Foto: Reinhard Hübner]
Der Mann muss ein hoffnungsloser Workaholic sein. Wie sonst könnte er das alles schaffen? Andi Neumeyer überlegt kurz, nimmt einen Schluck von seinem Latte Macchiato, dann sagt er: „Ich glaube, ich bin vielmehr ein Organisationstalent.“ Wir sitzen im „Hungrigen Herz“, seinem Speiselokal im Münchner Glockenbachviertel. Der Laden ist rappelvoll, vor allem junge Leute treffen sich hier, neben Neumeyer frühstückt Igor Pintar, Torhüter und seit ein paar Wochen wieder Mannschaftskollege von Neumeyer beim SV Heimstetten. Gerade für Fußballer aus der Region ist das „Hungrige Herz“ ein beliebter Treffpunkt. „Sogar der Schweini war schon hier“, erzählt der Chef, der den ebenfalls 30 Jahre alten Weltmeister noch aus gemeinsamen Zeiten in der Bayernauswahl kennt.
Viel Zeit hat Neumeyer an diesem Samstagmittag nicht, um sich seinen Gästen zu widmen. Er muss los, es wartet ein Testspiel. Neumeyer freut sich darauf, es geht gegen Fürstenfeldbruck, den Verein, bei dem er einen großen Teil seiner aktiven Zeit verbracht hat, zudem brennt er darauf, wieder auf dem Platz zu stehen, sein Fußballerherz ist wieder richtig hungrig. Zuletzt hat er ein halbes Jahr lang pausiert, eigentlich war seine Karriere beendet. Das aber sagt bei Neumeyer nichts, zu stark ist die Faszination dieses Spiels, als dass er auf Dauer widerstehen könnte. Obwohl er als Jung-Unternehmer eigentlich mehr als ausgelastet ist.
Doch als im Winter der Anruf kam, war es, als hätte er darauf gewartet: „Ich war leicht zu überzeugen“, erinnert er sich an das Gespräch mit Michael Matejka, Heimstettens Manager. Der brauchte nach dem Abgang von Sammy Ammari einen neuen Torjäger. Und jeder, der sich mit dem SV Heimstetten beschäftigt, kommt schnell schnell auf Andreas Neumeyer.
„Ich war leicht zu überzeugen“
Es war in der Saison 2012/13, es wurde das bisher beste Jahr der Heimstettener in der Regionalliga Bayern. Am Ende war man Fünfter, „hinter Illertissen das beste Amateurteam“, Neumeyer traf speziell nach der Winterpause fast nach Belieben, am Ende war er mit 24 Toren Schützenkönig der Liga. Obwohl er schon damals das „Hungrige Herz“ führte, wenig trainieren konnte und sich entschlossen hatte, sich nach der Saison ausschließlich der Gastronomie zu widmen: „Ich wollte einfach das letzte halbe Jahr als Fußballer genießen, hatte richtig Spaß und keinerlei Druck mehr. Es lief halt.“
Danach schien das Kapitel beendet, bis zufällig der Spielerberater Markus Herberg im „Hungrigen Herz“ aufkreuzte und ein bisschen flachste: „Soll ich dich nicht mal bei Vereinen anbieten, so zur Gaudi?“ Neumeyer willigte ein: „Ich wollte wissen, welchen Stellenwert ich nach dieser unglaublichen Saison hatte.“ Interessiert war ein Regionalligist im Norden („Ich wollte aber nicht weg“) - und dann der TSV 1860. Neumeyer war als Kind schon „mit der Oma bei Sechzig“, später hat er in der A-Jugend dort gespielt, mit Dani Baier, Marcel Schäfer und Christoph Janker, zu denen er über einen Gruppenchat noch immer Kontakt hält. Die Sache begann ihn zu reizen, er sprach mit Nachwuchschef Wolfgang Schellenberg und U21-Trainer Torsten Fröhling, sie wollten den damals 28-Jährigen als Leitwolf für ihre blutjunge Truppe. Schon drei Tage später aber meldete sich Alex Schmidt, der Profi-Coach. Und beorderte ihn in seinen Zweitliga-Kader. Torjäger sind gesucht.
Neumeyer war im Trainingslager dabei, war plötzlich dort, wo er sich einst in seinen Kindheitsträumen sah, im Profifußball. Auch wenn eine langwierige Sehnenverletzung in der Fußsohle schon bald alle Hoffnungen zerstörte, „Wahnsinn, dass ich so etwas noch erleben durfte“, schwärmt Neumeyer. „Ich hätte das hinbekommen mit meinem Geschäft, es wäre ein ziemlicher Spagat geworden, aber es wäre gegangen.“ Vor und nach den Trainingseinheiten war er im Laden, „obwohl ich schon ziemlich kaputt war, aber meine Mitarbeiter haben mir vieles abgenommen und ich habe gelernt, Aufgaben ganz gezielt zu erledigen“. Ein kickender Gastwirt, das wäre schon eine Besonderheit gewesen in der Bundesliga.
Es ist anders gekommen, wie so vieles auf Neumeyers Weg. Mit 16 war er beim DFB, hat zwei Jugend-Länderspiele gemacht, er wechselte voller Hoffnungen vom FC Augsburg zu den Münchner Löwen. Der Bruch kam im zweiten A-Jugendjahr, „da habe ich kaum mehr gespielt“. Weil sich nichts anderes ergab, kickte er danach für den SC Fürstenfeldbruck, damals immerhin noch Bayernliga. Wegen Massimo Morales, damals Trainer in Düsseldorf, unterschreib er einen „richtig schlechten Vertrag“ bei der Fortuna, als Morales gehen musste, gab es auch für Neumeyer keine Zukunft mehr. Der kehrte zurück zu Fürstenfeldbruck und begann, sich eine berufliche Alternative aufzubauen. Er startete eine Lehre zum Restaurantfachmann und „weil ich nicht mehr von meinen Eltern abhängig sein wollte“, leitete er für seinen Onkel eine Tankstelle. Und zwar so gut, dass er bald noch eine zweite übernehmen konnte und schließlich eine richtig große am Münchner Flughafen bekam. „Parallel dazu wollte ich unbedingt meine Ausbildung abschließen“, was auch gelang. Der Restaurantfachmann Neumeyer übernahm in der Münchner Fraunhoferstraße das „Hungrige Herz“, entwickelte ein neues Konzept und war bald auf der Erfolgsspur als Gastronom.
Der Fußballer Neumeyer gab nach zwei Jahren in Gersthofen endlich dem jahrelangen Werben der Matejkas nach und landete in Heimstetten. Gemeinsam mit Orhan Akkurt bildete er ein torgefährliches Tandem in der Bayernliga, ein Vorfall nach dem Trainerwechsel aber führte ihn schon im Winter zurück nach Fürstenfeldbruck, vorübergehend. Denn ein halbes Jahr später war er wieder in Heimstetten, erlebte als Torschützenkönig seine erfolgreichste Zeit in der Regionalliga, die ihm dann noch die nicht mehr erwartete Chance bei 1860 bescherte. Aber hätte es nicht mehr sein müssen? „Definitiv zufrieden“ sei er mit seiner Fußballkarriere, sagt er, gibt aber auch zu, sich manchmal zu fragen, was denn heute wäre, wenn er „in zwei drei Situationen“ mehr Glück gehabt hätte: „Als ich Vertrauen brauchte, bekam ich keines.“
Das letzte halbe Jahr nun nutzte Neumeyer, sein „Hungriges Herz“ ein bisschen umzubauen, am Konzept zu feilen und das Lokal um 20 Sitzplätze zu erweitern. Eine neue Speisekarte wurde entwickelt, gerade das Frühstücksangebot ist noch umfangreicher geworden, vom „Kleinen Herz“ für 3,90 Euro bis zum „Italienischen Herz“ für 11,90 gibt es praktisch alles, was das hungrige Herz begehrt. Das Geschäft floriert. Nicht nur, aber auch dank der vielen Freunde, die Neumeyer im Fußball gewonnen hat.
Gerade ist Michael Kokocinski hereingekommen, mit dem Neumeyer schon in der Jugend bei den Löwen gespielt hat und der jetzt die U21 der Sechziger als erfahrener Leitwolf anführt. Der Chef selbst besorgt ihm und seinen Begleitern einen Platz, doch viel Zeit für ein Gespräch bleibt nicht. Igor Pintar drängt auf Aufbruch, Heimstettens Trainer Vito Moskovic legt Wert auf Pünktlichkeit, auch in der Vorbereitung.
Andi Neumeyer brennt darauf, noch einmal zeigen zu dürfen, was in ihm steckt, der Fußball lässt ihn einfach nicht los, trotz seines geschäftlichen Erfolgs. „Das Hungrige Herz“ wird „sicher nicht mein letzter Laden“ sein. Neumeyer ist auch stiller Teilhaber eines Clubs in Freising, die Bar „Deine Mudda“ in der Thalkirchner Straße hat er wieder abgestoßen. In den Wochen vor der Eröffnung hat er dort oft selbst Hand angelegt, nach dem Training manchmal bis drei Uhr nachts gewerkelt. „Um sieben stand ich wieder im ,Hungrigen Herz‘, dann ging es wieder ins Training.“
Ein halbes Jahr ohne Fußball hat er sich jetzt gegönnt, er hat den Akku wieder aufgeladen. Nun reizt es ihn, den SV Heimstetten mit vielen Toren vor dem Abstieg zu retten: „Da bin ich völlig entspannt, die Mannschaft ist gut, wenn alle fit bleiben, werden wir bald mit unten nichts mehr zu tun haben.“ An Neumeyer soll es nicht liegen, der hatte auch bei den Löwen trotz seiner Doppelbelastung mit die besten Laktatwerte. Bis Sommer will er alles geben, dann Urlaub machen und darüber nachdenken, ob er weiter ein kickender Gastwirt bleibt. Irgendwie reizt es ihn, „ich suche das Abenteuer“, er braucht das, auf der einen Seite den unternehmerischen Erfolg, auf der anderen den fußballerischen. Vielleicht ist er ein Freak, vielleicht ein Workaholic. Oder einfach wirklich nur ein unglaubliches Organisationstalent mit großem Unternehmergeist.
Lieber Fußballfreund,
du möchtest gern einen Beitrag, z.B. Musik, Fotos, Videos, Daten oder einen Zeitungsartikel (nachfolgend „Inhalte“) hochladen? Wir möchten dich an dieser Stelle gern nochmal daran erinnern, dass die Verantwortung für die von dir hochgeladenen Inhalte bei dir liegt. Bitte vergewissere dich also zunächst, ob die Inhalte unseren Vorgaben entsprechen (siehe die ausführlichen Bestimmungen unter „Community-Spielregeln“) und insbesondere ob du über die entsprechenden Nutzungsrechte an den Inhalten verfügst. Diese liegen in der Regel bei Dritten und nicht bei dir, wenn du Inhalte aus dem Internet (z.B. Fotos bekannter Personen, Videos oder Zeitungsartikel) kopierst und hochlädst.
Bitte beachte: Wenn du die Nutzungsrechte an den Inhalten nicht berücksichtigst, kann es zu kostspieligen Abmahnungen und weiteren Forderungen gegen dich kommen. Sofern wir hiermit direkt konfrontiert werden, sind wir berechtigt, deine Daten zum Zwecke der Rechtsverfolgung herauszugeben und mögliche Forderungen an dich weiter zu berechnen.