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Serie "Heimathäfen der Kapitäne"|17.12.2014|16:30

1906 Haidhausen: Ein Kaiser auf Roter Erde

1971 kehrte Franz Beckenbauer (links) mit Bayern München zum Testspiel gegen 1906 München und seinen Bruder Walter zurück. [Foto: imago]

Aus ihren kleinen Heimatvereinen zogen sie einst aus, um die große Fußballwelt zu erobern und die deutsche Nationalmannschaft als Kapitäne aufs Feld zu führen. FUSSBALL.DE stellt die Heimathäfen der Kapitäne vor. Heute: Nach der „Watschn-Affäre“ verlässt Franz Beckenbauer den Vorgängerverein der SpVgg 1906 Haidhausen und wird bei Bayern München zum Weltstar.

Im Vereinslokal der SpVgg 1906 Haidhausen liegen die Karten auf dem Tisch. Ein paar Rentner spielen Schafkopf, in den Pausen wird über Gott und die Welt diskutiert. Auch die Watschn ist an diesem Abend mal wieder ein Thema. Jene Ohrfeige, die ein Spieler von 1860 München dem jungen Franz Beckenbauer verpasste. Woraufhin der Geschlagene die Wechselpläne zu den Löwen verwarf und stattdessen zum FC Bayern ging. Der Rest ist große Fußball-Geschichte.

Der Prolog zu Beckenbauers Erfolgsstory wird in Haidhausen geschrieben. Auf dem Platz, den die Schafkopf-Runde durch ein Fenster sehen kann, hat er in den Fünfzigerjahren gespielt. Beckenbauer trug das Trikot des SC München von 1906, der vor sechs Jahren mit dem FC Haidhausen fusionierte. „Damals hat er natürlich noch nicht auf Kunstrasen gespielt. Zu Beckenbauers Zeiten gab es noch die berühmte Rote Erde. Er hat also wie viele Spieler aus dem Ruhrgebiet das Fußballspielen auf Asche erlernt“, sagt Günter Häfner, der Beckenbauers Jahrgang ist und sich erst beim SC 1906 und später beim Fusionsklub engagierte.

Er deutet auf ein Haus, das direkt am Sportplatz liegt. „Dort“, erklärt Häfner, „haben die Beckenbauers gewohnt.“ Der junge Franz sah vom Fenster aus, wie die Clique um seinen älteren Bruder Walter auf dem Aschenplatz kickte. Sein Problem: Die Großen ließen ihn nicht mitspielen. „Stumpen“ oder „Hänfling“ nannten sie Beckenbauer. Doch der Geschmähte ließ sich nicht einschüchtern. „Ich habe es nicht mehr erwarten können, endlich das rot-weiße Sechsertrikot überziehen zu dürfen“, wird der spätere Weltstar in einer Jubiläumschronik zitiert.

„Er hat wie viele Spieler aus dem Ruhrgebiet das Fußballspielen auf Asche erlernt“

Technikschule im Hinterhof

Er musste sich gedulden und feilte im Hinterhof alleine an seiner Technik. Franz Neudecker, damals Jugendtrainer beim SC 1906, erkannte das Talent des Jungen und holte ihn dazu. In Freundschaftsspielen durfte Beckenbauer als Achtjähriger ab und an bei den Zehnjährigen mitmischen. Zunächst als Linksaußen. Eine Position, die sonst keiner bekleiden wollte. In den Schülermannschaften entwickelte sich Beckenbauer trotzdem zum Torjäger.

Als die Jugendabteilung seines Vereins aufgelöst werden sollte, suchte der 13-Jährige einen neuen Klub. Nach der Watschn-Affäre ging er 1959 zum FC Bayern. Mit Beckenbauer stiegen die „Roten“ zum Topklub in Deutschland auf. Er wurde schnell Führungsspieler, verdiente sich den Spitznamen „Kaiser“. Mit Beckenbauer holte der Verein vier Meisterschaften und gewann drei Mal den Europapokal der Landesmeister.

Zwei Titelgewinne als DFB-Kapitän

Seine größten Erfolge feierte der Münchner aber im Nationaltrikot. 103 Länderspiele bestritt Beckenbauer für Deutschland. 1972 nahm der Weltklasse-Libero die EM-Trophäe in Empfang. 1974 führte Beckenbauer Deutschland zum WM-Titel. Den Goldpokal reckte er in seiner Heimatstadt in die Höhe. Bei den Titelgewinnen trug er die Kapitänsbinde.

16 Jahre später wiederholte Beckenbauer diesen Coup als Teamchef. In Rom endete gleichzeitig seine DFB-Karriere. Erfolge hat Beckenbauer noch mit dem FC Bayern gefeiert. Als Interimstrainer führte er den Klub zu einem Meistertitel und holte den UEFA-Cup nach München. Diese großen Leistungen honorierten Verband und Verein. Seit 1982 ist Beckenbauer Ehrenspielführer beim DFB - eine Auszeichnung, die sonst nur Fritz Walter, Uwe Seeler und Lothar Matthäus erhielten. 2009 ernannte der FC Bayern seinen Superstar zum Ehrenpräsidenten.

Von den Erfolgen und Auszeichnungen nahmen sie auch in Haidhausen Notiz. „Franz Beckenbauers Karriere hat uns natürlich unglaublich stolz gemacht“, betont Günter Häfner, schränkt aber ein: „Es ist schade, dass er den Stolz nicht erwidert.“ Beckenbauer hat sich rar gemacht in Haidhausen. Bei einem Prominenten-Spiel kam der „Kaiser“ noch mal zur St.-Martin-Straße und wunderte sich, was mit seiner Roten Erde geschehen war. Danach gab es keinen Kontakt mehr zwischen dem 69-Jährigen und seinem Jugendverein.

Nummer vier im Nachwuchsbereich

Dabei dürften dem Vollblut-Fußballer Beckenbauer die Entwicklungen in Haidhausen gefallen. „Andere Vereine klagen über mangelnden Nachwuchs, wir erfahren in diesem Bereich einen Zuwachs“, erklärt der Zweite Vorsitzende Hans Lohner. 400 Kinder und Jugendliche sind bei der Spielvereinigung angemeldet. Haidhausen stellt 18 Nachwuchsteams, ist damit nach dem FC Bayern, 1860 München und der Spielvereinigung Unterhaching die Nummer vier im Stadtgebiet.

Integration ist im Klub nicht nur eine Worthülse. 70 Prozent der Nachwuchsfußballer haben einen Migrationshintergrund. Mütter in Burka sitzen bei den Spielen auf der Tribüne genauso wie Väter in Tracht. „Wir haben da keine Konflikte. Bei den Festen muss der Wirt nur wissen, wie viele Wurstsemmeln mit Schweinefleisch und ohne Schweinefleisch er braucht. Das ist aber kein Problem“, sagt Häfner.

Die erfolgreiche Jugendarbeit trägt auch im Seniorenbereich Früchte. Mit vielen Eigengewächsen im Team ist die Erste Mannschaft Tabellenführer der Kreisliga 3. Die Zweitvertretung führt die Kreisklasse 5 an. Hans Lohner, Günter Häfner und ihre Vereinskameraden träumen deshalb vom Doppelaufstieg. „Unser Ziel ist schon die Bezirksliga“ sagen die beiden Männer. Sollte Haidhausen dieses Ziel erreichen, haben sie noch einen Wunsch: dass Franz Beckenbauer vom Erfolg Notiz nimmt.

Alle Folgen der Serie:

Union Altona: Schon Adolf Jäger zog es zu 93

Ballack: Der Capitano aus dem Chemnitzer Kombinat

Kohler: Zu Hause in Lambsheim feierte ihn sogar der Rivale

Ludwig Leinberger: Der vergessene DFB-Kapitän des TSV 1846 Nürnberg

TB Gingen: Ein Klinsmann unter lauter Turnern

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