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Serie "Heimathäfen der Kapitäne" |21.01.2015|16:00

Siegburger SV: Jubiläumsfeier ohne Overath

Wolfgang Overath begann beim Siegburger SV im Alter von neun Jahren mit dem Fußballspielen. [Foto: Imago]

Aus ihren kleinen Heimatvereinen zogen sie einst aus, um die große Fußballwelt zu erobern und die Nationalmannschaft als Kapitäne aufs Feld zu führen. FUSSBALL.DE stellt die Heimathäfen der Kapitäne vor. Heute: Beim Siegburger SV wurde Wolfgang Overath groß. Dort schnappte er sich zuweilen ein paar junge Fußballer und stellte sie ins Tor, um an seinem Abschluss zu feilen. Für 12.000 Mark wechselte Overath 1962 zum 1. FC Köln und wurde in der Domstadt zur Legende.

4. September 2014. Strahlender Sonnenschein in Siegburg. Die Zuschauer strömen ins Walter-Mundorf-Stadion. Zum Jubiläum anlässlich des 110-jährigen Bestehens hat der Siegburger SV den frischgebackenen Bundesligisten aus Köln eingeladen. Unter die knapp 5.000 Zuschauer mischen sich deshalb auch jede Menge FC-Fans.

„Das Wetter hat gepasst, unsere Mannschaft hat vernünftig gespielt und die Atmosphäre war bombig.“ Walter Bleßgen erinnert sich immer noch gerne an das Jubiläumsspiel. Simon Zoller steuerte damals fünf Treffer zum 6:0 der Geißböcke bei, doch dem Geschäftsführer des SSV ging es an diesem Tag ohnehin nicht um das Sportliche. Mit wichtigen Persönlichkeiten der Stadt feierten die Siegburger das 110-jährige Bestehen ihres Klubs – nur einer fehlte: Wolfgang Overath.

Dabei hatte die große Karriere des Spielmachers einst beim Siegburger SV begonnen. „Ich nehme an, dass er mit dem 1. FC Köln nichts mehr zu tun haben will“, spekuliert Rudolf Henseler über Overaths Fernbleiben. Im November 2011 war Overath in einer emotionalen Mitgliederversammlung als Präsident der Kölner zurückgetreten. „Er hatte den Ehrgeiz, den 1. FC Köln schuldenfrei zu machen und musste Dinge verändern. Das hat wohl einigen Herren nicht gefallen und er musste gehen“, so Henseler, der zwischen 1957 und 1996 Geschäftsführer beim SSV war.

„Wenn kein Training war, hat er sich einen jungen Fußballer geschnappt, ihn ins Tor gestellt und draufgeknallt“

Kremer bot 12.000 Mark

1962 war die Welt noch eine andere. Der damalige FC-Präsident Franz Kremer hatte ein Auge auf den jungen Overath geworfen und wollte den talentierten Mittelfeldspieler unbedingt nach Köln holen. Für Verhandlungen hatte er den Vereinsvorsitzenden Gustav Lauterbach und Rudolf Henseler in die Domstadt eingeladen.

Die Erinnerungen an dieses Treffen sind bei Henseler noch sehr lebendig. „Wir haben viel geflachst, es war eine humorvolle Begegnung“, berichtet der 85-Jährige. Verhandelt wurde auch. 12.000 Mark habe Kremer für Overath geboten. „Das war zu der damaligen Zeit sehr viel Geld für unseren Verein. Also haben wir dem Wechsel zugestimmt.“

Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft

Das Angebot für Overath flatterte in der erfolgreichsten Zeit des Siegburger SV auf den Tisch. 1961 wurde der Klub Mittelrhein- und Westmeister, im Kampf um die Deutsche Amateurmeisterschaft musste sich die Mannschaft erst im Finale den Amateuren von Holstein Kiel mit 1:5 geschlagen geben. 82.000 Zuschauer sahen dieses Spiel im Niedersachsenstadion in Hannover.

Doch auch ein junger Spieler aus der eigenen A-Jugend machte in dieser Phase auf sich aufmerksam. „Sein Talent war sehr früh zu erkennen“, sagt Henseler, der Overaths Entwicklung genau beäugte. Der hatte im Alter von neun Jahren in Siegburg mit dem Fußballspielen begonnen. Sogar das Gymnasium habe er später aufgegeben, um seine fußballerischen Ziele zu erreichen, erinnert sich Henseler. „Wenn kein Training war, hat er sich einen jungen Fußballer geschnappt, ihn ins Tor gestellt und aufs Tor geknallt.“

Debüt unter Herberger

Dieser extreme Ehrgeiz gepaart mit seiner gefühlvollen Ballbehandlung brachte Overath früh in die Jugendnationalmannschaft und 1962 schließlich zum 1. FC Köln. Dort musste er jedoch zunächst eine einjährige Sperre absitzen, da ein Wechsel von einem Amateur- zu einem Profiverein damals noch verboten war. Pünktlich zur Premiere der Bundesliga 1963/1964 durfte Overath endlich für die Geißböcke auflaufen und erzielte gegen den 1. FC Saarbrücken gleich das 1:0. Am Ende der Saison feierten die Geißböcke sogar die Meisterschaft.

Die starken Auftritte des Regisseurs ließen auch den damaligen Bundestrainer Sepp Herberger aufmerksam werden. Am 28. September 1963 debütierte Overath im Spiel gegen die Türkei. Bei der Weltmeisterschaft in England 1966 zählte Overath im Team des Vize-Weltmeisters bereits zur Stammbesetzung. Nach dem dritten Platz bei der WM 1970 in Mexiko folgte der Karrierehöhepunkt: Der Triumph bei der Heim-WM 1974. Overath lief 81-mal für die Nationalmannschaft auf, in 14 Spielen führte er die DFB-Auswahl als Kapitän an.

1977 beendete Overath schließlich seine Karriere. Zum Abschluss holte er den DFB-Pokal nach 1964 zum zweiten Mal nach Köln. Für die Geißböcke erzielte er in 765 Spielen 287 Tore. Dem Fußball blieb Overath aber auch nach seinem Karriereende verbunden. In der Traditionsmannschaft des 1. FC Köln spielte er noch viele Jahre.

"Er hat ja nie Zeit"

Selbst bei den Treffen der Alten Herren in Siegburg sah man den Weltmeister gelegentlich. Seinen Ehrgeiz habe er auch bei diesem freundschaftlichen Kick in der Halle nicht verbergen können, erinnert sich Henseler. Später, als Overath Präsident in Köln wurde, habe dem berühmten Sohn des Siegburger SV dann oft die Zeit gefehlt. Abgerissen sei der Kontakt jedoch nie. „Wir sind als Verein sehr froh, dass wir einen solch talentierten Spieler hervorgebracht haben“, sagt Henseler, der Overath zuletzt bei einem besonderen Anlass traf.

2011 hatte der Siegburger SV die Mannschaft von Holstein Kiel eingeladen, gegen die man 50 Jahre zuvor im Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft stand. In der geselligen Runde schwelgte man in Erinnerungen an das große Spiel. Auch Overath schaute kurz vorbei. Lange blieb er jedoch nicht. „Er hat ja nie Zeit“, meint Henseler.

111 Jahre: Party zum Schnapszahl-Jubiläum?

Doch auch ohne die Präsenz des berühmtesten Siegburger Fußballers läuft es gut beim SSV. In der Jugend gibt es pro Altersklasse zwei bis drei Mannschaften. Die A-Jugend peilt sogar den Aufstieg in die Mittelrheinliga an. Nicht minder erfolgreich präsentiert sich die Herrenmannschaft in der aktuellen Saison: Der Tabellenführer in der Bezirksliga steht auch im Viertelfinale des Bitburger-Pokals und trifft dort auf den Bonner SC.

„Wir werden ein deutliches Wörtchen um den Aufstieg mitreden“, gibt sich Geschäftsführer Walter Bleßgen selbstbewusst. Am 8. März startet die Rückrunde mit dem Spiel gegen den 1. FC Spich. Sollte der Siegburger SV seinen sportlichen Höhenflug auch im Jahr 2015 fortsetzen, hätte man am Saisonende gleich zwei Gründe für eine Feier. Den Aufstieg in die Landesliga und das 111-jährige Bestehen des Vereins, bei dem Wolfgang Overaths Leidenschaft für den Fußball vor 62 Jahren begann.

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