Wenn Du dich bei unserer Community einloggst, kannst du Vereine und Mannschaften als Favoriten speichern und direkt von hier aus schnell und einfach erreichen.

Matchkalender

Begegnungen in deiner Nähe

{{typeaheadInput.text}}

Amateurstatistiken

Serie „Der Weg in den DFB-Pokal“|01.10.2014|15:00

Gestatten, mein Cousin spielt bei Manchester

Ein Ecuadorianer in Mönchengladbach: Dario William Camacho Castillo im Nationaltrikot. [Foto: privat]

64 Teams, 63 Spiele, sechs Runden und der große Traum Berlin. Die 72. Auflage des DFB-Pokal läuft. Jeder Verein in Deutschland hat die Chance auf die erste Runde. Um diese Chance der kleinen Klubs geht es in unserer Serie auf FUSSBALL.DE: Der Weg in den DFB-Pokal. Wir gehen den kompletten Weg mit - von der ersten Runde auf Kreisebene bis zur ersten Hauptrunde des DFB-Pokals. Heute geht es um William Dario Camacho Castillo. Er kickt für den KFC Welate Roj Mönchengladbach und ist der Cousin von Manchester Uniteds Antonio Valencia.

"Ich könnte in Ecuador in einer höheren Liga spielen"

Dass William Dario Camacho Castillo nicht mit seiner bekannten Verwandtschaft hausieren geht, merkt man bereits daran, dass sein Trainer glaubt, er sei Kolumbianer und der Cousin des früheren Bayern-Stars Adolfo Valencia. William Camacho, 21 Jahre alte Offensivkraft des Kreisligisten Welate Roj, hat zwar tatsächlich einen berühmten Cousin, der ist allerdings Ecuadorianer, heißt Antonio Valencia und spielt in England für Manchester United.

Antonio Valencias Bruder schläft auf Camachos Couch

William Camacho lacht, als er vom doppelten Irrtum seines Trainers Yama Formuly erfährt. Schließlich hat er mit Marcos Valencia gerade den älteren Bruder von Antonio Valencia nach Mönchengladbach gelockt. Der schläft bei ihm auf der Couch und ist bereits zweimal für Welate Roj aufgelaufen.

„Wir sind eine echte Multikulti-Truppe. Wir reden nicht nur von Integration, wir leben sie“, sagt Trainer Formuly, der aus Afghanistan stammt. Neben den beiden Ecuadorianern spielen Kurden, Türken, Syrer, Deutsche, Afghanen und Ghanaer für Welate Roj. Stolz ist man beim Fußballklub, der aus dem gleichnamigen Mönchengladbacher kurdisch-deutschen Kulturverein hervorgegangen ist, auf die Abwehr, in der Kurden und Türken Seite an Seite spielen. „Herkunft spielt bei uns keine Rolle“, betont Formuly.

Die Vorgeschichte eines Spielers offenbar auch nicht. Denn William Camacho, der vor zehn Jahren mit seiner Mutter nach Deutschland kam und mittlerweile auch deutscher Staatsbürger ist, hat zuletzt in Niederrhein-, Mittelrhein- und Kreisliga eifrig die Vereine gewechselt. Mit 17 Jahren hätte er für Orduspor in der Türkei spielen können. Camacho nahm am Trainingslager des Süper-Lig-Aufsteigers teil, lief im Testpiel gegen den niederländischen Ehrendivisionär De Grafschaap auf – und überzeugte. „Sie haben mir einen Zwei-Jahres-Vertrag angeboten“, erzählt Camacho. Aber dann legten seine Eltern ihr Veto ein – der Sohn sollte zuerst die Schule beenden.

„Ich habe meine Chance nicht genutzt“, sagt Camacho. „Dann war meine Lust am Fußball weg. Seitdem habe ich nur noch für kleine Vereine gespielt.“ Nach dem Abstieg mit dem Rheydter SV aus der Landesliga in der vergangenen Saison absolvierte er ein Probetraining bei der zweiten Mannschaft von Rot-Weiß Oberhausen. Dann schloss er sich doch Welate Roj an: „Weil hier Freunde von mir spielen.“

Der Trainer schwärmt von seinem Neuzugang, aber nicht uneingeschränkt. „Er ist pfeilschnell, manchmal zu schnell“, sagt Formuly. Er versucht seinen Stürmer zu bremsen und ihm die Angst vor dem Torschuss zu nehmen. „Vor dem Tor hat er Probleme, da verliert er die Nerven.“ Also lässt er ihn im Training alleine auf den Torwart zulaufen, lässt ihn 1:1-Situationen üben. „Er muss gefestigter werden.“ Nur auf dem Platz hat der Trainer etwas auszusetzen an seinem Spieler, abseits davon nicht. William Camacho lasse nicht den berühmten Cousin heraushängen. „Er ist ein toller Junge, bei allen Spielern anerkannt“, meint Formuly. Er traue ihm zu, demnächst wieder höherklassig zu spielen.

Drucker statt Profi

„Ich könnte in Ecuador in einer höheren Liga spielen“, sagt auch William Camacho, „aber ich will erstmal in Europa bleiben.“ Früher habe er verbissen daran gearbeitet, Profi zu werden, mittlerweile gehe er den Fußball „langsamer an“ - in Mönchengladbach arbeitet er in der Druckerei seines Stiefvaters. Sein leiblicher Vater trainiere in Ecuador die U 16-Nationalmannschaft, erzählt Camacho. „Fußball liegt bei uns in der Familie“, sagt William Camacho.

Beim Sieg über Fortuna Mönchengladbach im Achtelfinale des Kreispokals zog sich Camacho eine Verletzung zu, sein Einsatz am Donnerstagabend im Viertelfinale gegen Rot-Weiß Hockstein ist gefährdet. „Das wird wahrscheinlich nichts“, ist Trainer Formuly skeptisch. „Ich denke, dass es geht“, sagt dagegen William Camacho. Gegen Hockstein, den Absteiger aus der Bezirksliga, kann Trainer Formuly jede Unterstützung gebrauchen: „Wir sind klarer Außenseiter. Alles andere als ein klarer Sieg für Hockstein wäre eine Riesen-Überraschung.“ Ob mit oder ohne verhinderten Kolumbianer aus Ecuador.

Zur Serie: Ausgeguckt haben wir uns den Pokalwettbewerb im Kreis Mönchengladbach/Viersen im Fußballverband Niederrhein. Drei Runden haben wir schon begleitet, jetzt wartet das Viertelfinale. Der kurdisch-deutsche Klub Welate Roj Mönchengladbach trifft am Donnerstag auf A-LigistRot-Weiß Hockstein. Den Sieger wird FUSSBALL.DE in die nächste Runde begleiten.

In der ersten Runde des Wettbewerbs, in dem 42 Teams an den Start gegangen waren, hatte Fortuna Mönchengladbach den FC Maroc Mönchengladbach (4:1) und anschließend FC Blau-Weiß Wickrathhahn (2:0) ausgeschaltet. Im Achtelfinale war dann Endstation gegen KFC Welate Roj Mönchengladbach - im zweiten Anlauf. Das Wiederholungsspiel verlor die Fortuna vor rund 50 Zuschauern mit 0:1 (0:0).