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Kultfigur aus Bayern |26.12.2014|09:00

Kirschberger: "Love", "Peace" und Dachau '65

Ohne Abteilungsleiter Konrad Kirschberger wäre der TSV ein völlig anderer Verein. [Foto: www.joergensen.com]

Mitte Fünfzig ist ein Alter, in dem viele Menschen damit beginnen, ihre alten Tattoos entfernen zu lassen. Konrad Kirschberger gehört nicht dazu. Der Abteilungsleiter des TSV 1865 Dachau krempelt den rechten Ärmel hoch, zum Vorschein kommen Wörter wie "Love" und "Peace" - "das muss man ja nicht bereuen, oder?", sagt er, und lacht. Andererseits hat er aber auch ein bisschen Glück gehabt: Seine erste Frau hört auf den selben Namen wie die zweite. So musste nur eine Jahreszahl überschrieben werden.

"Keiner aus der Familie ist je zum ASV gegangen!"

Kirschberger ist ein gut erhaltenes Original aus alten Straßenfußballer-Zeiten. Er ist groß, hat eine leicht schräge Nase und Schultern wie ein Klitschko. Er kommt mitten aus München und spricht trotzdem: tiefstes Bayrisch. Er hört Led Zeppelin und Black Sabbath, Rockmusik läuft auch in der Halbzeitpause im Stadion. Schon allein deshalb wäre 1865 Dachau ohne ihn ein völlig anderer Verein.

Maßgeblich verändert haben sich in Kirschbergers Leben eigentlich auch nur zwei Dinge, seitdem er Mitte der neunziger Jahre vom Schlachthofviertel hinaus zog nach Dachau. Zum einen hat er jetzt drei Kinder, "und mit der Verantwortung ändert sich die Sicht auf die Dinge", sagt er. Er hätte zum Beispiel etwas dagegen, wenn seine beiden Söhne eine ähnliche "Freizeitgestaltung" hätten wie er selbst seinerzeit. Damit ist auch schon die zweite große Veränderung angesprochen: Kirschberger prügelt sich nicht mehr. Weder in der heimischen Diskothek, wo man seinerzeit "ich sag mal: nicht immer so gesprächsbereit" gewesen sei, noch im Boxring.

Kirschberger ist der Sohn eines Maurers und einer Metzgerei-Angestellten, das Schlachthofviertel hat ihn stark geprägt. "Was hätt`s sonst gegeben?", sagt er auf die Frage, wie man dort zum Fußball kam. Gespielt haben sie auf einem Betonplatz mit zwei Stahltoren, immerhin. Im Winter hat die Stadt dort den Schnee des Viertels zum Tauen abgeladen, und im Frühjahr fanden die Jungs dann die Knochen von Schweinen und Ochsen. Und wer sonntags nach dem Mittagessen zu spät kam, konnte nicht mehr mitspielen, wenn deutsche Kinder gegen griechische spielten, oder griechische gegen türkische. "Da hat´s aber nie Stress gegeben", sagt Kirschberger. Er weiß, dass viele dieses Bild im Kopf haben: Kinder von Gastarbeitern, das waren Problemkinder. Waren sie eben nicht. Die damalige Fußball-Gemeinschaft prägt auch heute noch sein Bild davon, wie ein Verein auszusehen hat, und wie er geführt werden sollte.

Als Jugendlicher war der Vereinsfußball ein Upgrade , wie Kirschberger sagt, eine große Sache. Über Freunde landete er beim FC Wacker , damals die dritte Kraft in München nach den Roten und den Blauen, ein schillernder Verein unter seinem legendären Präsidenten Alfred Fackler. Kirschberger war Torwart, doch er schaffte es nicht bis in die Bayernliga-Mannschaft.

Eine Weile kickte er noch in der Reserve, gleichzeitig entdeckte er seine Leidenschaft für das Boxen. Mit 19 wechselte er endgültig. "Anscheinend war auch ein bisschen Talent dabei", sagt er, denn schon bald stand er als Superschwergewichtler in der bayerischen Auswahl. Ein paar Jahre später gab es einen für die Karriere sehr entscheidenden Kampf, während des Frühlingsfestes auf der Theresienwiese. Kirschberger boxte gegen den damaligen Benelux-Meister. In der dritten Runde ging er zu Boden, der Ringrichter brach den Kampf ab. "Ich hab danach auf den Zetteln der Punktrichter gesehen, dass ich klar vorne lag. Und ich hätte mich schon noch anderthalb Minuten auf den Beinen halten können."

In dem Maße, wie Kirschberger vom Schlachthofviertel geprägt wurde, prägt er heute sein Umfeld. Als er mit seiner heutigen Frau nach Dachau zog, ins Haus des Schwiegervaters, entdeckte er den Fußball wieder. Eigentlich wollte er zum Lokalrivalen ASV, doch seine Frau schrie auf: "Keiner aus der Familie ist je zum ASV gegangen!" Also meldete sich Kirschberger beim TSV 1865 an. Er wurde nicht nur schnell Fußball-Jugendleiter, er kümmerte sich irgendwie um alles und jeden. Fußball, das ist für Kirschberger Nachbarschaftshilfe mit sportlichen Mitteln.

Patenschaften für Jugendteams

Doch er hat auch verstanden, dass sich die Zeiten geändert haben. Heute wird man nicht mehr "vom Platzwart an den Koteletten vom Rasen gezogen", wenn man diesen verbotenerweise betritt. Jugendliche - und wie Kirschberger meint: vor allem deren Eltern - müssten heutzutage viele Anreize gegeben werden, damit sie nicht ständig den Verein wechselten. So haben zum Beispiel auf sein Bestreben hin Spieler der ersten Mannschaft Patenschaften für Jugendteams übernommen: Fabian Lamotte etwa, immerhin ein ehemaliger Bundesligaspieler für Schalke 04, ist nun einmal die Woche beim Training der U19 dabei. Aber auch die erste Mannschaft selbst soll die Familien-Atmosphäre des Vereins vorleben: "Wichtig ist uns, die lokale Identität zu bewahren. Und wir haben auch Konstanz drin. Es sind noch sieben, acht Spieler, die mit uns in der Bezirksliga gekickt haben." Und mit dem Verein den Aufstieg in die Bayernliga Süd schafften.

Das nächste große Ziel ist der Umzug des Vereins, die 65er wünschen sich schon seit Längerem eine modernere Anlage, und in der Lokalpolitik kommt auch langsam Bewegung in die Sache. Kirschberger wirkt aber nicht sonderlich nostalgisch. Dabei hat er im Erdgeschoss des Vereinsheims sogar einen Boxraum eingerichtet, mit Medizinbällen, Spiegeln, Haken in der Decke für die Sandsäcke. Ab und zu komme er auch mit Spielern oder seinen Söhnen hierher, wer eben gerade Lust hat. "Oder die Jungs vom Ordnungsdienst, damit sie fit bleiben", sagt Kirschberger und lacht.

Alle Folgen der Kultfigur -Serie:

Teil 17: Jakob Scherrers aus Waldenrath-Straeten: Der dienstälteste Frauentrainer der Welt

Teil 16: Höpfingens Rotschi: Ein Stadionkasper zum Genießen

Teil 15 Horst Launert von den Sportfreunden Bulmke

Teil 14: Willi Pott von Rot Weiss Ahlen

Teil 13: Karsten Wettberg, der „König von Giesing“, vom ATSV Kelheim

Teil 12: Fritz Ohrem vom BC Bliesheim

Teil 11: Guido Silberbach vom SV Herbede

Teil 10: Kurt Maus vom Euskirchener TSC

Teil 9: Helmut Hübner aus Güstrow

Teil 8: Hako Kluckert vom MFFC Wiesbaden

Teil 7: Eugen Igel aus Hamburg

Teil 6: Paul Esser von Germania Erftstadt

Teil 5: Katharina „Oma“ Fachinger von Fortuna Mönchengladbach

Teil 4: Uwe Neunsinger vom TSV Neustadt/Aisch

Teil 3: Joachim Uhsemann vom SC Eltersdorf

Teil 2: Rainer Gangelhoff vom VfB Homberg

Teil 1: Uli Reisch vom SV Alemannia Waldalgesheim

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