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Kultfiguren des Amateurfußballs |20.03.2015|10:15

Verliebt in Berlin: Ex-Profi Stark & Union 06

Voller Einsatz für den SC Union 06 Berlin: Ex-Fußballprofi Peter Stark. [Foto: FUSSBALL.DE]

Die Schuhe. Der Rasen. Das passt doch alles nicht zusammen. Peter Stark sitzt auf der Tribüne des Berliner Mommsenstadions und kann es nicht mit ansehen. „Der Rasen ist tief“, stöhnt er – und die Spieler des SC Union 06 tragen zum Teil Noppenschuhe. Auf tiefem Rasen. Stark würde am liebsten zur Pause gehen. Er bleibt dann doch, sieht das ganze 1:4-Elend in der Landesliga beim SC Charlottenburg und fasst einen Entschluss. „Kauft euch Stollenschuhe“, sagt er zu den Spielern. Und bezahlt sie ihnen auch gleich noch.

"Ich mecker' doch im positiven Sinne"

Diese kleine Geschichte stammt aus der Hinrunde. Aber Stark, Beisitzer im Vorstand bei Union 06, kann sich immer noch drüber aufregen. Doch er regt sich eben nicht nur auf. Er handelt auch. Das wünscht sich der frühere Bundesligaprofi auch von anderen. Älteren Zuschauern, die bei den Spielen von Union 06 über das Niveau motzen, empfiehlt er: „Dann gebt doch 50 Euro, damit helft ihr dem Verein mehr.“

Ehrlich, direkt und stets mit mindestens 100 Prozent bei der Sache, so war Stark schon immer. In seiner Bundesligazeit bei Blau-Weiß 90 forderte er einst einen Schiedsrichter auf: „Pfeif doch ooch mal für die Kleenen.“

Mit vollem Einsatz

Vollen Einsatz zeigt er jetzt bei den Begegnungen von Union 06 in der Landesliga. Gibt Spielern auf dem Weg in die Kabine Ratschläge, wünscht sich lautstark einen zweiten Stürmer oder wundert sich – ebenso gut vernehmlich – dass mitunter sogar Einwürfe den eigenen Mann verfehlen. „Eine absolut kompetente Fachkraft, was die Praxis des Fußballs angeht. Eine Seele von Mensch. Sehr kritisch“, beschreibt ihn Unions Geschäftsführer Rolf Pomplitz. Wenn es im Verein mal heißt „Mensch Peter, wenn Du so viel zu meckern hast, mach es doch selbst“, entgegnet er gern: „Ich mecker' doch im positiven Sinne.“

Peter Stark nennt Union 06, einst einer der besten Berliner Clubs, „meine große Liebe“. Hier begann er 1964 am Poststadion mit dem Fußballspielen, wurde 1976 als Spielmacher der Mannschaft Berliner Meister und nahm an der Aufstiegsrunde zur 2. Liga teil. Erich Ribbeck berief ihn in die Amateur-Nationalmannschaft, wo er drei Spiele betritt.

Seine „schönste sportliche Zeit“ erlebte Stark bei Blau-Weiß 90. Obwohl er schon damals im Obsthandel der Familie stark eingespannt war, schaffte er noch den Sprung in den Profi-Fußball. Erster Zweitliga-Einsatz 1984 im Alter von 29 Jahren, vor Heimspielen arbeitete er anfangs noch von drei Uhr morgens bis mittags. Blau-Weiß war 1986/87 sogar Erstligist und für kurze Zeit die Nummer eins in Berlin. Für den 21 Jahre alten Karl-Heinz Riedle war die Bundesliga-Saison der Start einer Weltkarriere, für den auf den Tag elf Jahre älteren Kapitän Stark und viele andere im Kader der Karriere-Höhepunkt. Stark absolvierte im Juni 1989 sein letztes von 145 Profispielen, danach war er noch ein paar Jahre für Hertha 03 Zehlendorf in der damals drittklassigen Oberliga am Ball.

Acht Punkte Vorsprung

Vor einigen Jahren fragte Unions Präsident Detlef Bucke, den er schon seit Jahrzehnten kennt, ob Stark sich nicht bei Union engagieren möchte. Sponsoren auftreiben, alte Kontakte nutzen. Stark war dabei. „Wir sind auf einem guten Weg“, beschreibt er die Entwicklung der jüngeren Vergangenheit. Am vergangenen Wochenende gelang mit dem 2:0 beim SV Blau Weiss , dem Nachfolger von Starks nicht mehr existierenden Ex-Club Blau-Weiß 90, der erste Sieg in der Rückrunde. Der Abstand zu den Abstiegsplätzen beträgt nun acht Punkte.

Anfang des Jahrtausends war Union bis in die Kreisliga B abgerutscht, zehrte nur noch von Erinnerungen. Zum Beispiel den erfolgreichen 50ern mit der Berliner Meisterschaft 1953. Bis 1950 hatte der Verein als SC Union Oberschöneweide – 1923 Deutscher Vizemeister – im Osten der Stadt gespielt. Als die Mannschaft nicht zu einem Spiel um die deutsche Meisterschaft beim Hamburger SV reisen durfte, gingen viele Spieler nach West-Berlin und gründeten dort den SC Union 06.

Peter Stark ist inzwischen 60 Jahre alt – die früher wehenden schwarzen Haare sind einem Kranz gewichen – und immer noch in seinem Job tätig, genau wie Ehefrau Kathrin. Sechs Tage die Woche, selbständig, fünf Angestellte. Er beliefert beispielsweise Hotels und Altenheime mit Obst. Der Werbeslogan „Obst von Stark macht stark“ ist ein Klassiker bei Berliner Fußball-Fans. Der siebte Tag gehört Union 06. „Da bin ich vier Stunden auf dem Platz“, sagt Stark. Erst der zweiten Mannschaft zugucken, dann der Ersten. Bis vor kurzem hat er noch selbst in der Ü50 des Vereins gespielt. Auswärts um 20 Uhr am anderen Ende der Stadt. Gegner, die einem ehemaligen Bundesligaspieler mal zeigen wollen, was eine richtige Grätsche ist, danach drei Stunden Schlaf und um 2.30 Uhr für die Arbeit aufstehen. „Das tue ich mir nicht mehr an. Ich muss ein bisschen auf meine Gesundheit achten“, sagt Stark.

Allerdings überlegt er, demnächst noch einmal auf den Platz zu gehen. Nicht als Spieler, sondern beim Training der Landesliga-Mannschaft: „Dann zeige ich denen, wie man Freistöße schießt“, lacht er. Das darf jedoch getrost nicht nur als lustiger Spruch verstanden werden. Denn Stark redet nicht nur. Er handelt auch.

Weitere Folgen der Serie:

Teil 31: Opa Egon: Der älteste Fußballer Hamburgs

Teil 30: Joe Spielhoff: Mehr Horst geht nicht

Teil 29: Traute Wohlers: Die Fußball-Oma aus dem Guinness-Buch

Teil 28: Metin Yildirim: Der Spiel-Macher des VfB Bottrop

Teil 27: Axel Ueckerseifer: Der harte Hund aus Berlin

Teil 26: Maximilian Ulverich: Der Alleskönner

Teil 25: Das Tier Szopinski: Rebellischer als Rehhagel