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Kultfiguren des Amateurfußballs|27.02.2015|14:00

Traute, die Fußball-Oma aus dem Guinness-Buch

Einst war sie Fußball-Anfängerin, später lernte sie Franz Beckenbauer kennen: Traute Wohlers (75). [Foto: Oliver Jensen]

Traute Wohlers aus Hamburg hat einen Großteil ihres Lebens dem Fußball gewidmet. Keine andere Frau auf der Welt brachte so vielen Kindern das Kicken bei - damit hat sie es ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Die 75-Jährige, die bei einem Lehrgang Franz Beckenbauer persönlich kennenlernte, ist unsere FUSSBALL.DE-Kultfigur der Woche.

Von Fußball hatte Traute Wohlers als junge Frau nur wenig Ahnung. “Ich wusste lediglich, dass der Ball rund war”, gibt sie zu. Nur weil das älteste ihrer drei Kinder im Alter von acht Jahren gerne kicken wollte, suchte sie nach einem Fußballverein in der Umgebung und stieß auf den SC Concordia in Hamburg (heute: Wandsbeker TSV Concordia). “Dort wurde eine Jugendbetreuerin gesucht, die den Trainer ein bisschen unterstützen sollte. In einem Schullandheim hatte ich bereits als Betreuerin gearbeitet und viel Spaß gehabt. Also habe ich gleich zugesagt”, erinnert sie sich. Doch bereits beim ersten Training erschien der Trainer nicht. “Also standen 14 kleine Jungs vor mir, schauten mich mit großen Augen an und wollten Fußball spielen. Mir blieb nichts anderes übrig, als einen Ball zu holen und selber das Training zu leiten.”

"Ich wusste lediglich, dass der Ball rund war"

42 Jahre sind seitdem vergangen. Doch der Spaß daran, kleinen Kindern das Kicken beizubringen, ist bis heute geblieben. “Der Kontakt zu den Kleinen und zu den Eltern macht mir Freude. Ich bin nun bereits 75 Jahre alt und wohne alleine. Da käme ansonsten schnell Langeweile auf”, verrät sie.

Das Training lenkt sie nicht zuletzt von ihren körperlichen Beschwerden ab. Im vergangenen Jahr musste sie am Rücken operiert werden. “Wenn ich mit den Kindern auf dem Fußballfeld stehe, vergesse ich das alles”, sagt sie. Ihre Liebe zum runden Leder hat sie 1999 sogar in das Guinness-Buch der Rekorde gebracht. Rund 3000 Kinder soll sie trainiert haben. Seitdem dürften noch einige hundert dazu gekommen sein.

Dem Kaiser die Hand geschüttelt

Traute Wohlers nahm ihre Aufgabe von Anfang an ernst, meldete sich nach einigen Jahren auch zum Trainerlehrgang an. “Leider bin ich beim Theorieunterricht immer eingeschlafen, weil ich Nachts Zeitung ausgetragen habe und müde war. Bei der Prüfung scheiterte ich an der Frage, was ein Libero ist”, erinnert sie sich. Dabei hat sie den größten Libero aller Zeiten sogar persönlich kennengelernt: Franz Beckenbauer. “Unser Lehrgang fand in der Nähe der Trainingsplätze des HSV statt. Franz Beckenbauer kam einmal zu uns und gab allen die Hand. Ich war überrascht, wie nett und menschlich er war. Vorher hielt ich ihn immer für arrogant.”

Überhaupt hat Traute Wohlers ihre Berührungspunkte mit dem Spitzenfußball gehabt. Einer ihrer Schützling hat es bis zum Bundesligaprofi gebracht: Jan-Philipp Kalla vom FC St. Pauli. Traute Wohlers erinnert sich gerne an dessen Anfänge zurück. “Sein Vater hat auch Fußball gespielt und brachte ihn zum Training mit. Er ist dann immer hier herumgekrabbelt”, erzählt sie. Daher verpasste man ihm den Spitznamen “Schnecke”. Noch heute wird der Rechtsverteidiger so genannt. “Man hat bei ihm sofort gesehen, dass er großes Talent hat. Er kam, sah und siegte. Er wusste sofort, was er machen muss. Er hat alle Vorgaben sofort umgesetzt”, sagt Wohlers. Auch Kalla erinnert sich gerne an seine erste Fußballtrainerin zurück: “Sie ist ein ganz toller und bewundernswerter Mensch. Auf der Einladung stand immer, es warten zehn Freunde auf dich. Sie hat das Gefühl für den Mannschaftssport geprägt.”

Es gab auch unschöne Erlebnisse in der beachtlichen Trainerlaufbahn der Traute Wohlers: Einige Väter hielten sie für unqualifiziert, wollten sie daher aus ihrer Funktion ekeln. Tatsächlich gab es Momente, in denen sie dann über das Aufhören nachgedacht hat. Doch dafür hat ihr der Fußball einfach zu viel gegeben. Besonders als die dreifache Mutter ihre Tochter verlor, halfen ihr der Fußball und die kleinen Kicker aus dieser schweren Lebenskrise. Sie möchte nun so lange als Trainerin fungieren, wie es ihre Gesundheit mitmacht. Oder, um es mit ihren eigenen Worten auszudrücken: “Bis ich tot umfalle.”

Persönliche Chaffeurin

Traute Wohlers hat einen durchstrukturierten Tagesablauf. Nachts trägt sie etwa fünf Stunden Zeitung aus, um ihre schmale Rente aufzubessern. Tagsüber strickt sie für jeden ihrer Fußballer eine Vereinsmütze. Bevor es am späten Nachmittag schließlich zum Fußballtraining geht, holt sie einige ihrer kleinen Fußballer persönlich mit dem Auto ab: “Das ist kein Problem für mich. Die Jungs wohnen bei mir in der Nähe. Und es wäre so umständlich, wenn sie mit dem Bus zum Training fahren müssten.”

Im Training möchte sie vor allem eins: Dass die Kinder Spaß haben. Trainingsspiele stehen im Mittelpunkt. Taktische Elemente sind ihr dennoch wichtig. Mit ihrer Trillerpfeife, die sie um den Hals trägt, unterbricht sie regelmäßig das muntere Treiben. “Warum rennst du nach vorne rechts? Da standen doch schon zwei deiner Mitspieler”, fragt sie einen ihrer Jungs. Ihr Ton ist immer herzlich, aber bestimmend. “Einige Kinder müssen das Stellungsspiel noch lernen. Das dauert”, verrät sie.

Auch wenn das fußballerische Verständnis in der G-Jugend, wo die meisten Kinder fünf oder sechs Jahre alt sind, noch gering sein mag. Die “Minimonster”, wie Traute Wohlers ihre kleinen Fußballer liebevoll nennt, sind ihr vom Alter her am liebsten. Spätestens nach vier Jahren gibt sie die Heranwachsenden an einen anderen Trainer ab: “Dann haben die Kinder meine Schwächen durchschaut.” Bei älteren Kindern fehlt der 1,49 Meter kleinen Fußball-Oma, die ihre G-Jugendlichen um kaum mehr als einen Kopf überragt, oftmals die Durchsetzungskraft. Kummer macht ihr das nicht. Es gibt mehr als genug kleine Kinder, die das Fußballverständnis von Traute Wohlers zu schätzen wissen. Und wer weiß: Vielleicht schafft es noch ein weiterer von denen irgendwann in die Bundesliga.

Weitere Folgen der Serie:

Teil 24: Das Tier Szopinski: Rebellischer als Rehhagel

Teil 23: Die rastlose Roswitha: Es kribbelt immer noch

Teil 22: Super-Martha: Die Attacke aus dem Schwarzwald

Teil 21: Jonas Azam: Jung, dynamisch, ehrenamtlich

Teil 20: Konrad Kirschberger: Love, Peace und Dachau ‘65

Teil 19: Jürgen Schuck, die Halle und klasse Mettbrötchen

Teil 18: Peter Droste: Der Mann, der einmal fremdging

Teil 17: Jakob Scherrers aus Waldenrath-Straeten: Der dienstälteste Frauentrainer der Welt

Teil 16: Höpfingens Rotschi: Ein Stadionkasper zum Genießen

Teil 15 Horst Launert von den Sportfreunden Bulmke

Teil 14: Willi Pott von Rot Weiss Ahlen

Teil 13: Karsten Wettberg, der „König von Giesing“, vom ATSV Kelheim

Hier geht’s zu allen Folgen der Kultfiguren -Serie.

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