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Kultfigur, Folge 91 |13.05.2016|10:00

Ewiger Klaus Wahl: Sugarboy & Stadionsprecher

Ein Mann und seine Kabine: Der 75-jährige Klaus Wahl ist eine Legende beim SC Hassel - und unsere Kultfigur der Woche. [Foto: Bunse]

Sie sollten das Stadion Lüttinghof in Klaus-Wahl-Arena umbenennen. Oder ihm beim SC Hassel gleich ein Denkmal bauen. Aber wahrscheinlich würde diese Aufgabe am Ende auch wieder an ihm selbst hängen bleiben. Denn immer, wenn es beim Verein aus dem Gelsenkirchener Norden handwerklich ans Eingemachte geht, ist der Ruf nach Klaus Wahl nicht weit. Und sich sein eigenes Monument zu errichten, ist dann vielleicht doch keine so gute Idee. Es wäre auch gar nicht seine Art. Verdient hätte er es aber allemal. Seit 65 Jahren hält Wahl dem SC Hassel die Treue. Er hat im Vereinsheim Getränke verkauft, Spieler zum Training kutschiert und den Rasen gestopft. Deswegen ist der 75-Jährige unsere FUSSBALL.DE-Kultfigur der Woche.

"Wer Klaus Wahl hat, hat keine Qual"

Es wäre nicht das erste Mal, dass Wahl einen Schriftzug über der Sportanlage des SC Hassel anbringt. Die schon von weitem sichtbare Stahlrohrkonstruktion „Stadion Lüttinghof“ über dem Haupteingang der 10.000 Zuschauer fassenden Anlage ist sein Werk. Sie ist von dem ehemaligen Maschinenschlosser vor vielen Jahren höchstpersönlich konstruiert, zusammengeschweißt und angebracht worden. „Echte Handarbeit“, ist Wahl bis heute stolz auf sein Werk. Dass ihn sein damaliger Chef bei der Montage in flagranti erwischt hat, ist dagegen nur noch eine Randnotiz. Ist ja auch gut gegangen. Er konnte seinem Angestellten wegen dessen nimmermüden Einsatzes für seinen Herzensklub einfach nicht böse sein. „Er hat nur gelacht und gefragt, wie ich das Ding unentdeckt in der Firma bauen konnte“, erinnert sich „Mister SC Hassel“. Sein Motiv war und ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben: Vereinsliebe pur.

Die Überdachungen der Auswechselbänke bei den Grün-Weißen sind ebenso von ihm entwickelt und gebaut worden, wie die Würstchenbude oder die Werbebanden. Doch das ist längst nicht alles. Aus dem nur wenige Kilometer entfernten Gelsenkirchener Parkstadion hat Wahl vor dem Abriss der ehemaligen Spielstätte des FC Schalke 04 400 Sitzplätze gerettet. Mit einem Transporter hat er die blauen Schalen vom Vereinsgelände der Königsblauen abgeholt und in Hassel wieder angeschraubt.

Wahls ganzer Stolz aber ist seine Sprecherkabine. Dazu muss man wissen: Der Mann ist seit mehr als 15 Jahren auch Stadionsprecher seines Vereins. Wenn er mit dem rechten Zeigefinger auf die Taste seines Tischmikrofons drückt und mit dem immer gleichen Satz die Zuschauer begrüßt, ist er in seinem Element. „Ich wünsche dem Spiel einen sportlich fairen Verlauf und ihnen spannende 90 Minuten“, schallt es vor dem Anpfiff über die schmucke Anlage. Vor einem Vierteljahrhundert hat er die Kabine zusammen mit fünf Freunden für 1.200 DM aus eigener Tasche bezahlt und dem Verein zur Verfügung gestellt. „Das Häuschen diente früher in einer Fabrikhalle in Wanne-Eickel als Fahrstand“, erklärt er. Zusammen mit seinen Vereinsfreunden hat er es dort abgebaut und an seinem jetzigen Bestimmungsort wieder aufgestellt. In den Umbau, eine Treppe, sowie den Anbau einer Stahlkonstruktion für Fernsehkameras hat Wahl nochmal einige hundert D-Mark gesteckt. Und jede Menge Zeit.

Sechs Metallstufen sind es bis zum Paradies. Dafür genießt er nun beste Aussicht auf das Spielfeld. Neben ihm steht die obligatorische Kanne Kaffee. In der anderen Ecke eine Stoppuhr Marke Dalli-Dalli. „Natürlich bin ich während der laufenden Partie in meiner Funktion zur Neutralität verpflichtet“, sagt er. Bei Toren für das eigene Team gehen mit ihm aber schon mal das Temperament und die Stimme durch. Als seine Mannschaft am zweiten Maiwochenende vier Spieltage vor dem Saisonende mit einer 1:0-Pausenführung im Rücken nach elf Jahren Abstinenz dicht vor dem Wiederaufstieg in die Oberliga Westfalen steht, ist er nicht mehr zu bremsen. Bereits in der Halbzeitpause und damit eigentlich eine knappe Stunde zu früh, legt Wahl zum Erstaunen der eigenen Spieler und Zuschauer den Klassiker „We are the Champions“ auf. Krumm nehmen kann man es ihm nicht.

Der SC Hassel ist eben sein Leben. Und das seit mehr als 65 Jahren. Gerne erinnert sich der Witwer an die Anfänge kurz nach dem Krieg. Von Manfred Kreuz, dem berühmtesten Sohn des Vereins, hat er mal einen derart heftigen Pferdekuss verpasst bekommen, dass er vier Wochen lang keinen Fußball mehr spielen konnte. Kreuz ist einer von vier noch lebenden Meisterspielern des FC Schalke 04 „Der Manni hat ja, bevor er nach Schalke gegangen ist und dort 1958 mit den Knappen den Titel geholt hat, bei uns in der Jugend gespielt“, klärt Wahl auf. „Wir Jüngeren haben damals immer den Älteren beim Training zugeschaut“, weiß er noch. „Die Tornetze bestanden aus Eisendraht. Ich stand meistens hinter dem Kasten. Einmal war wohl ein Loch im Netz und der Manni hat mich mit seiner Klebe voll am Oberschenkel erwischt.“

Noch mehr in sein Gedächtnis eingebrannt hat sich aber ein Erlebnis, das ihn bis heute geprägt hat. „Das muss im Jahr 1950 gewesen sein“, rechnet er nach. „Ich war als Zehnjähriger gerade neu in den Verein eingetreten, als wir zu einem Spiel gegen einen Lokalrivalen antreten sollten. Wir hatten aber keine Trikots. Wir mussten uns alte Säcke anziehen, in die oben ein Loch für den Kopf geschnitten wurde. Die Säcke wurden grün eingefärbt, aber hinten war noch das englische Wort „Sugar“ zu lesen.“ Die erste Halbzeit sei für die selbsternannte Zuckertruppe auch ganz gut gelaufen. „Aber dann hat es angefangen zu regnen und die Dinger wurden immer schwerer. Am Ende kamen wir kaum noch von der Stelle.“

Die heutige Generation soll es da besser haben. Deshalb rackert und ackert Wahl auch in seinem hohen Alter noch, so gut es geht. „Wenn es sein muss, bin ich jedem Tag auf der Anlage“, hilft er dort, wo er benötigt wird. Ein Anruf genügt und er ist da. „Nach dem Aufstieg werden wir jetzt anfangen, die Außengastronomie zu verschönern. Außerdem wollen wir für die Oberliga noch einen weiteren Grillstand bauen. Und Anstricharbeiten sind auch fällig“, zählt Wahl seine Baustellen für die nächsten Wochen auf. Facelifting für den Lüttinghof. „Die Sommerpause ist gerettet“, grinst der Rentner. Denn nach der Saison ist bekanntlich vor der Saison. Und in der neuen Spielklasse will sich der Gelsenkirchener Traditionsverein seinen Gegnern natürlich in neuem Glanz präsentieren.

Wer die Wahl hat, hat die Qual, heißt es im Volksmund. Beim SC Hassel haben sie dieses Sprichwort längst umgewandelt: „Wer Klaus Wahl hat, hat keine Qual.“ Der so Gelobte verspricht: „Ich mache weiter, bis ich irgendwann aus meiner Sprecherkabine herausgetragen werden muss.“ Bis dahin aber wird er seine Gäste hoffentlich noch oft mit einem: „Ich wünsche dem Spiel einen sportlich fairen Verlauf und Ihnen spannende 90 Minuten“ begrüßen. Auch, wenn das Stadion am Lüttinghof noch nicht Klaus-Wahl-Arena heißt. Besser als er, kennt sein zweites Zuhause ohnehin niemand.

Weitere Folgen unserer Kultfiguren -Serie:

Folge 90: Schiedsrichter Edgar Krause: Mit 88 pfeift er ab

Folge 89: Edelfan Werther: Koblenzer Kuhglocken-Legende

Folge 88: Manfred Müller: Elf Herzinfarkte und nicht fußballmüde

Folge 87: Steven Zepeda: Bisschen Badstuber, bisschen Tuchel

Folge 86: Josef Ring: Das Urgestein aus der Vulkaneifel

Folge 85: 75 Jahre Mitglied: Stralkowski ist “Die Eins”

Folge 84: Kultmasseur Reinhardt knetet seit 50 Jahren

Folge 83: Zeugwart Gürtler: Gegen das Grundgesetz Kölns

Folge 82: “Bubu“ Buschatzki: Für jeden Sieg gibt’s Bier

Folge 81: Esad Kahric: Der Thomas Schaaf der Bayernliga

Folge 80: Globetrotter Schick: Fußball in der Favela

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