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Kultfiguren des Amateurfußballs|18.09.2015|09:00

Hier kommt Kurt: Auch mit 81 noch der Macher

Seit mehr als 40 Jahren in seinem Verein engagiert: Nuri Kurt lebt für den SV Schlebusch. [Foto: Fotos Kämpf; Collage FUSSBALL.DE]

Ein paar Wochen lang blieb Nuri Kurt geduldig und schaute zu. Dann hatte er genug gesehen. „Ich habe dem Trainer gesagt, dass er seine Aufgabe engagierter angehen und sich intensiver mit den Kindern beschäftigen muss“, erinnert er sich. Die Reaktion seines Gegenübers ließ an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig. „Er hat mir gesagt: Wenn du es besser kannst, dann übernimm den Job“, erklärt er. Und genau das tat Kurt. Aus dem Coach wurde der Ex-Coach und aus einem Vater, der eigentlich nur seinem sechsjährigen Sohn beim Fußballtraining zuschauen wollte, ein Jugendtrainer in Diensten des SV Schlebusch. 44 Jahre ist das nun. Nuri Kurt - unsere Kultfigur der Woche.

Abgesehen von dem mittlerweile 81-Jährigen selbst kann sich bei dem Verein aus dem Leverkusener Stadtteil wohl niemand mehr an die Zeiten erinnern, als Kurt die Anlage „Im Bühl“ als Gast betrat. Heute kann er nicht mehr zum Platz gehen, ohne jede Menge Hände zu schütteln, ohne um Ratschläge gebeten zu werden oder sich einfach nur die Sorgen der Vereinskameraden anzuhören. Kurt hat den Verein geprägt wie kein anderer. Dem Trainerjob folgte ein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement, und ein Ende ist nicht in Sicht – trotz seines Alters. „Solange es geht, werde ich weitermachen“, verspricht Kurt, der seit Mitte der 70er Jahre als Jugendleiter tätig ist. Mit dieser Ankündigung wird er für Erleichterung bei den Vereinsmitgliedern sorgen. Denn ein vergleichbarer Nachfolger dürfte äußerst schwer zu finden sein. „So einen positiv Bekloppten gibt es nur einmal“, sagt sein Sohn Cetin.

"Was über mich erzählt wird, ist mir egal, ich mache das hier für die Kinder"

Damit meint der 49-Jährige nicht nur den immensen Zeitaufwand, den sein Vater betreibt, um die Jugendabteilung am Laufen zu halten, sondern auch dessen Art anzupacken, Probleme zu lösen und Menschen zu helfen. Das war schon 1971 nicht anders als heute: Kurt ging damals nämlich nicht nur zu den Übungseinheiten der E-Junioren, sondern auch durch die Schlebuscher Fußgängerzone, um in den örtlichen Geschäften Spenden für eine Weihnachtsfeier der Jugendabteilung zu sammeln. „Der damalige Jugendleiter hat mir gesagt, dass kein Geld für eine Feier da sei. Das hat mich gewurmt. Die Kinder hatten schließlich eine Feier verdient. Also habe ich die Sache selbst in die Hand genommen“, sagt Kurt.

Kindheit in Istanbul

So oder so ähnlich ist Kurt noch dutzende Male vorgegangen. Er hat nicht gewartet, bis irgendwer irgendwas irgendwann unternimmt, sondern selbst die Ärmel hochgekrempelt und gehandelt. Und er hatte ein Auge für diejenigen im Klub, die besondere Zuwendung und Unterstützung benötigten. „Was er für den Nachwuchs leistet, ist einfach irre“, sagt Stefan Müller, der die Seniorenmannschaft des SV in der Bezirksliga coacht.

Insbesondere um Kinder aus finanziell weniger betuchten Familien und Jugendliche mit Migrationshintergrund kümmert sich Kurt. Dass er so zum leuchtenden Vorbild in Sachen Integration geworden ist, Fernsehsender und Zeitungen über ihn berichteten, hat er natürlich registriert, aber mehr als ein Achselzucken hat er für derlei Rummel nicht übrig. „Was über mich erzählt wird, ist mir egal, ich mache das hier für die Kinder, das ist meine Motivation“, sagt er.

Während seiner Kindheit in Istanbul gab es keine vergleichbaren Strukturen. „Wir haben einfach nur auf der Straße gekickt, da gab es keinen Verein als Anlaufstelle“, erinnert er sich. Mit Mitte 20 machte sich Kurt auf in ein neues Leben. 1959 stieg er in einen Zug nach Deutschland und dort blieb er. Erst in Stuttgart und schließlich in Leverkusen-Schlebusch. Bis zum Nachmittag arbeitete Kurt als Schlosser beziehungsweise später in der Hausverwaltung für die Bayer-Werke, dann ging es auf die Sportanlage „Im Bühl“. Beim SV Schlebusch verbrachte er den größten Teil seiner Freizeit, ehe er mit Antritt seiner Rente Anfang der 90er Jahre nahezu den gesamten Tag seiner ehrenamtlichen Aufgabe widmete.

Ärger in den eigenen vier Wänden handelte er sich damit nicht ein. Denn zeitweise waren alle Kurts in Diensten des SV Schlebusch tätig. Die Söhne Cetin und Ercihan coachten Nachwuchsteams, Frau Trudi backte Kuchen und verkaufte ihn am Wochenende zugunsten der Nachwuchsabteilung. „Gott sei Dank hatte ich eine Frau, die all das mitgemacht hat. Sonst wäre vieles nicht möglich gewesen“, sagt Kurt über seine unlängst verstorbene Gattin, deren familiäre Wurzeln in Ostpreußen lagen.

Bundesverdienstkreuz 2006

Das Engagement der Familie Kurt zahlte sich aus. Die Jugendabteilung wuchs rasant. Aus einer Handvoll Nachwuchsteams in den 70er Jahren sind inzwischen 23 geworden. Rund 500 Kinder zählt die Jugendabteilung des Klubs, die damit zu den größten in Nordrhein-Westfalen gehört. Sportliche Erfolge stellten sich ebenfalls ein. Unter Trainer Ercihan Kurt stiegen die A-Junioren 1992 erstmals in die Verbandsliga auf, die damals höchste Klasse. „Das war schon eine besondere Zeit“, erinnert sich Nuri Kurts ältester Sohn, der inzwischen Geschäftsführer des SV ist: „Wir haben gegen die besten Teams der Region gespielt. Vor allem die Duelle mit dem großen Nachbarn Bayer Leverkusen sind mir im Gedächtnis geblieben.“

Auch heute trägt die intensive Arbeit der Nachwuchsabteilung um Dreh- und Angelpunkt Nuri Kurt Früchte. Die A- und B-Junioren spielen in der Mittelrheinliga. Zudem halten viele Kinder und Jugendliche dem Verein über Jahre die Treue. Für Seniorentrainer Müller, einst selbst Jugendspieler beim SV, ein Segen: „Wir profitieren ungemein von unserer guten Nachwuchsarbeit. Denn die meisten meiner Bezirksligaspieler stammen aus den eigenen Reihen.“

Doch nicht nur das ansprechende sportliche Niveau zeichnet den Nachwuchs des Klubs aus. Die Schlebuscher Talente gehören gewissermaßen zur Stammbesetzung der Top Ten in Sachen Fairplay. Laut FVM-Vizepräsident Hans-Christian Olpen ist das kein Zufall: „In Schlebusch gehört Fairplay zur Vereinskultur. Wie auch in einigen anderen Klubs wird dort ein anständiges Miteinander besonders gepflegt und gefördert. Dazu gehören auch interne Sanktionen bei Fehlverhalten und natürlich Menschen mit vorbildlichem Charakter.“ Zu dieser Kategorie zählt zweifellos auch Nuri Kurt, der 2006 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde und eine klare Position vertritt: „Uns geht es nicht darum, um jeden Preis Erfolg zu haben. Ein anständiges Miteinander und soziales Engagement sind von großer Bedeutung. Ganz wichtig ist daher die gute Ausbildung unserer Jugendtrainer.“

Kurt weiß, wovon er spricht. Und das nicht erst seit gestern, sondern seit 1971, als er noch ein Vater war, der nur seinem Sohn beim Fußballtraining zuschauen wollte.

Weitere Folgen der Serie:

Teil 56: Talent-Spürnase Wimmer: Er förderte Schweini

Teil 55: Legende Burgbacher: Keine fliegt so schön

Teil 54: Der Trainer-Trainer-Spieler: Markus Marburg ist Kult!

Teil 53: Hans Lubberich: Der 650-Kilometer-Chronist

Teil 52: Urgestein Karl Schmidt: Vorbild seit 1948

Teil 51: Mr. Meckinghoven: Wassereis statt Magnum Gold

Teil 50: Wie Treter Dieter Becker zum Kultschiri wurde

Teil 49: Chronist Lampey: Mit Lewandowski in Straelen

Teil 48: Mit 82: „Der Alte an der Pfeife“ hört auf

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