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Serie "Kultfiguren im Amateurfußball" |07.08.2015|09:30

Urgestein Karl Schmidt: Vorbild seit 1948

Seit 1948 gehört Karl Schmidt dem Vorstand des SV Weitersburg an. [Foto: Dennis Smandzich]

Karl Schmidt hat für einen kurzen Moment den Überblick verloren. „Wie steht es eigentlich? Immer noch torlos?“, fragt er neugierig in die Runde. Der 82-Jährige ist am Seitenrand mal wieder in ein längeres Gespräch verwickelt gewesen, das passiert ihm während der 90 Minuten öfters. „Hier in der Umgebung gibt es kaum einen, der unseren Karl nicht persönlich kennt. Er ist schließlich das Urgestein des SV Weitersburg“, sagt der Vereinsvorsitzende Harald Piroth. „Über ihn könnte man ein ganzes Buch schreiben. Wenn man so will, ist er eine echte Weitersburger Institution und für uns alle ein großes Vorbild.“

Karl Schmidt winkt ab. Er mag es nicht, wenn die Lobeshymnen nur so auf ihn niederprasseln. Natürlich fühlt er sich in gewisser Weise geschmeichelt, aber irgendwie ist es ihm auch fast schon unangenehm, immer derart in den Mittelpunkt gerückt zu werden. „Im Vordergrund sollte nie die Person, sondern immer der Verein stehen“, sagt er in solchen Momenten dann immer. „So ist er eben, der Karl“, meint Harald Piroth und klopft ihm liebevoll auf die Schulter. „Diesen Leitspruch lebt er uns jeden Tag aufs Neue vor. Und das bereits seit 1948.“

In jenem Jahr wurde der damals erst 15-jährige Karl Schmidt in den Vorstand des SV Weitersburg berufen, dem er als Beisitzer noch immer angehört. „Liegt das jetzt wirklich schon 67 Jahre zurück?“, kann es Karl Schmidt selbst kaum glauben. „Eine sehr, sehr lange Zeit, damit hätte damals sicherlich keiner gerechnet.“ Die Anfangsjahre, als nach dem Zweiten Weltkrieg noch alles in Schutt und Asche lag, haben sich ihm besonders ins Gedächtnis eingebrannt. „Hier war alles zerstört. Wir hatten nichts mehr, keine Spieler, noch nicht mal einen eigenen Sportplatz. Das waren schwere Zeiten, durch die wir gehen mussten“, erzählt Karl Schmidt mit brüchiger Stimme. Jeden Abend traf er sich mit dem damaligen Vorsitzenden zur Lagebesprechung. „Er hat mich immer zu sich bestellt“, erinnert sich Karl Schmidt. „Da er ursprünglich aus Österreich kam, kannte er sich in unserem Dorf nicht so gut aus. Also habe ich ihm ein bisschen unter die Arme gegriffen. Mit vereinten Kräften haben wir dann den Verein zu neuem Leben erweckt.“

Veto gegen Wechsel

"Wenn es um Fußball geht, macht dem Karl keiner etwas vor"

Halbzeitpause in Weitersburg. Über drei Ecken hat Karl Schmidt inzwischen in Erfahrung bringen können, dass die Gäste mit 1:0 führen. „Ich war schon immer verrückt nach Fußball. Auch heute noch werde ich jeden Sonntag mit dem Auto abgeholt und zu den Spielen gefahren. Die Vorfreude ist dann immer riesengroß“, sagt er. Von der Seite nähert sich ihm sein Sohn. „Und Vater, wie geht’s?“, fragt Peter Schmidt, früher selbst Torwart beim SV Weitersburg und heute zweiter Vorsitzender. Beide lachen, plaudern ein bisschen über das Spiel. „Wir pflegen ein sehr enges Verhältnis zueinander“, sagt Vater Karl. „Das war schon immer so.“

Nur einmal hing der Haussegen schief. „Ich wollte damals Weitersburg verlassen, habe deshalb bei einem anderen Klub zur Probe mittrainiert“, erzählt der Sohnemann. „Die Verhandlungen waren auch schon weit fortgeschritten, bis mein Vater plötzlich in aller Deutlichkeit sein Veto eingelegt hat und ich in Weitersburg bleiben musste.“ Papa Karl rechtfertigt sich: „Mein Sohn stand schon mit sechs Jahren im Tor, war später ein Bombentorwart. So einen konnte ich doch nicht ziehen lassen.“

Enkel kickt in der Abwehr

Heute sind beide froh, dass der Wechsel damals geplatzt ist. „Sonst hätten wir doch über all die Jahre nicht so viele gemeinsame Erlebnisse teilen können“, sagt Karl Schmidt. An eine besonders lustige Anekdote kann sich sein Sohn noch ganz gut erinnern. „Wir wollten einmal zu einem Testspiel nach Herschbach fahren. Das Problem war, dass es im Westerwald mehrere Ortschaften mit dem Namen Herschbach gibt. Erst nach stundenlanger Irrfahrt haben wir den richtigen Fußballplatz gefunden und bekamen zumindest die letzten zehn Minuten vom Spiel noch mit“, erzählt Peter Schmidt mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Ein schriller Pfiff hallt über den Weitersburger Sportplatz. Die Halbzeitpause ist vorbei, beide Mannschaften sind wieder zurück auf dem Feld. „Da hinten ist mein Enkel Niclas. Er spielt in der Innenverteidigung“, sagt Karl Schmidt und deutet mit dem Zeigefinger auf den Spieler mit der Rückennummer drei. „Der Trainer ist ganz verrückt nach ihm. Fußballerisch hat er auf jeden Fall eine Menge zu bieten“, schwärmt er. „Mit ihm wächst die nächste Generation unserer fußballbegeisterten Familie heran.“

Apropos Familie: Seine Frau, mit der Karl Schmidt seit 55 Jahren verheiratet ist, habe es am Anfang nicht leicht mit ihm gehabt, gibt der Rentner reumütig zu. Insbesondere an den Wochenenden bekam sie ihren Ehemann kaum zu Gesicht. „Ich war früher sonntags immer den ganzen Tag für den Fußball unterwegs. Morgens um viertel vor zehn habe ich mir unsere B-Jugend angeschaut, danach dann die A-Junioren und zum Abschluss stand natürlich noch ein Spiel der ersten Mannschaft an. Als ich dann nach Hause kam, war es draußen schon dunkel“, so der 82-Jährige. „Aber mit der Zeit hat sich meine Frau daran gewöhnt. Wenn es hin und wieder mal etwas später wird, schimpft sie nicht mehr ganz so sehr mit mir.“

Fachsimpeln über alte Zeiten

Die Schlussphase der Partie bricht an. Karl Schmidt hat inzwischen Gesellschaft in Person von Hans Schiffer, einem ehemaligen Spieler des Vereins, bekommen. Gemeinsam gehen sie die Weitersburger Mannschaft der 50er Jahre durch. „Im Tor stand der Jupp, linker Verteidiger war der Römer, Rechtsaußen der Wolfgang und auf halblinks warst du, Hans“, zählt Karl Schmidt auf. Hans Schiffer nickt kurz, sagt dann: „Wenn es um Fußball geht, macht dem Karl keiner etwas vor. Er hat immer dafür gesorgt, dass der Verein oben ist. Lief es mal nicht so wie gewünscht, war er zur Stelle.“

Die 90 Minuten sind vorbei, der SV Weitersburg hat das Testspiel verloren. „Man kann halt nicht immer gewinnen. Die Jungs haben sich tapfer geschlagen, zumal der Gegner zwei Ligen über uns spielt“, sagt Karl Schmidt. Noch ein kurzer Plausch hier, eine nette Umarmung dort, dann macht er sich auch schon auf den Heimweg. „Meine Frau wartet bestimmt schon auf mich. Ich will sie ja nicht wieder verärgern“, grinst Karl Schmidt.

Weitere Folgen der Kultfiguren -Serie:

Teil 49: Chronist Lampey: Mit Lewandowski in Straelen

Teil 48: Mit 82: „Der Alte an der Pfeife“ hört auf

Teil 47: Marion Jochheim: Einmal Mutti, einmal Mutti

Teil 46: Der “Effenberg von Seeheim” macht Schluss

Teil 45: Karl-Heinz Pflumm: Der Freund der Schiris

Teil 44: Hauke Janssen: Deutschlands verrücktester Trainer

Teil 43: Jochen Baumann: Ältester Keeper Deutschlands?

Teil 42: Murat Karakas: Fladenbrot und Fallrückzieher

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