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Serie "Heimathäfen der Kapitäne"|28.01.2015|08:20

Janes: Rekordnationalspieler, bis Seeler kam

Paul Janes im Trikot der Nationalmannschaft. [Foto: Imago]

Aus ihren kleinen Heimatvereinen zogen sie einst aus, um die große Fußballwelt zu erobern und die deutsche Nationalmannschaft aufs Spielfeld zu führen. FUSSBALL.DE stellt die Heimathäfen der Kapitäne vor. Heute: Heute: Paul Janes' VfL Leverkusen lebt gut im Schatten des Bayer-Kreuzes.

Beinahe wäre der VfL Leverkusen im vergangenen Jahr vom Platzhirschen verdrängt worden. Und hätte sich darüber sogar noch gefreut. Bayer Leverkusen wollte das Gelände des Amateurklubs in der unmittelbaren Nachbarschaft der BayArena aufkaufen. Dort sollte ein neues Trainingsgelände für die U 19 und die U 17 des Bundesligisten entstehen. Die Stadt hatte dem Plan bereits zugestimmt, dann sagte Bayer doch noch ab. Offiziell, weil das Projekt zu teuer geworden wäre. Vielleicht aber auch deshalb, weil Bayer gerade seine U 23 vom Spielbetrieb abgemeldet hat und künftig nicht mehr so viel Platz benötigt.

„Wir sind ja hier nicht im James-Bond-Film“

„Wir haben über Jahre verhandelt und gerade schien es so, als wenn es klappen würde“, sagt Bernd Kuhn, Erster Vorsitzender des VfL. „Aber leider wurde uns abgesagt.“ Denn der mächtige Werksklub hätte dem kleinen Traditionsverein eine neue Heimat bezahlen müssen. Zwei Kunstrasenplätze sowie ein neues Klubhaus sollten für den VfL bei der Umsiedlung herausspringen. „Das wäre gut für uns gewesen“, sagt Kuhn. „Aber auch für Bayer. Unser Gelände ist schick. Auch wenn unser Klubheim von 1960 natürlich renovierungsbedürftig ist.“ Bayer Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade habe ihm zwar gerade ein „Sag niemals nie“ zum Scheitern der Verhandlungen mit auf den Weg gegeben. „Aber ich glaube nicht mehr daran. Wir sind ja hier nicht im James-Bond-Film“, meint Kuhn.

Nun bleibt der VfL vorerst auf dem Sportplatz an der Tannenbergstraße im Stadtteil Küppersteg, auf dem er im Schatten des Bayer-Kreuzes gegen den Abstieg aus der Mittelrheinliga kämpft. Der Aufsteiger ist derzeit vier Punkte vom ersten Nichtabstiegsplatz entfernt, rangiert aber immerhin einen Platz vor Lukas Podolskis FC Bergheim. Es wird also weiterhin nur ein Paul-Janes-Stadion geben – und das steht rund 30 Kilometer entfernt in Düsseldorf. Dabei begann die spätere Klub-Legende der Fortuna ihre Karriere im Geburtsort Küppersteg, beim Jahn 1914, aus dem mehr als 25 Jahre später nach der Fusion mit dem benachbarten Stadtteilklub TuS Manfort 1904 der Verein für Leibesübungen Leverkusen wurde.

Niemals Kreisklasse gespielt

Mit elf Jahren hatte sich Janes beim Klub aus der Nachbarschaft angemeldet. „Er war ein echter Manforter-Küppersteger“, sagt VfL-Vorsitzender Kuhn. Fußball gespielt hatte Janes schon vorher, mit seinen sechs Brüdern auf der Straße, zuweilen kickte auch die Schwester mit. Mit 18 Jahren wurde Janes entdeckt. Er hatte das Glück, seine Ausbildung zum Maurer im richtigen Betrieb gemacht zu haben. Beim Kick zweier Betriebsmannschaften der Firma Henkell wurde er entdeckt. Wenige Monate später debütierte er im Trikot von Fortuna Düsseldorf als rechter Läufer, zwei Jahre später lief er auch für die Nationalmannschaft auf. Nach dem 1:2 im Oktober 1932 zum Debüt in Budapest urteilte der „Kicker“, „dass sich Janes als durchaus gut ausgebildeter und verständiger Flügelläufer erwies“.

Nach Janes schafften es auch Jens Hegeler und Marko Schröder aus der VfL-Jugend in die Bundesliga. Schröder, mit dem Vorsitzender Kuhn noch gemeinsam gespielt hatte, kehrte zum Ende seiner Karriere sogar zu seinem Heimatverein zurück, mit dem er 2002/2003 noch einmal in die Verbandsliga aufstieg. Hegeler, der mittlerweile für Hertha BSC spielt, und Schröder waren beide beim großen Bruder Bayer 04 zu Bundesligaprofis herangereift. „Wir sind hinter Bayer die Nummer zwei in Leverkusen“, sagt Kuhn. „Wir haben hier 16 Vereine, die alle mal in der Kreisklasse gespielt haben. Nur wir nicht. Das zeigt, dass wir gute Arbeit geleistet haben.“

Janes hatte es Anfang der Dreißiger Jahre noch nach Düsseldorf gezogen. Bayer 04, heute fester Bestandteil der deutschen Fußballelite, war da noch nicht in der Erstklassigkeit angelangt. 1933 gewann Janes mit der Fortuna die deutsche Meisterschaft, Schalke musste sich im Finale mit 0:3 geschlagen geben. Am Aufschwung der Rheinländer hatte der „Schweiger“ großen Anteil. Reden war Janes‘ Sache nicht. Zu seinem erstklassigen Kopfballspiel sagte er einst: „Man muss im richtigen Augenblick höher springen als der Gegner“. Und zu seinen gefürchteten Freistößen ist dieser Satz des Fortunen überliefert: „Die Lücke in der Mauer muss man natürlich sehen.“ Dafür sprachen andere über ihn. „Der Paul war eine Ausnahmeerscheinung, ein Naturtalent, ein Weltklasseverteidiger von ganz besonderer Prägung“, sagte Bundestrainer Sepp Herberger über Janes, den er 1938 mit zur Weltmeisterschaft nach Frankreich nahm. „Nie hatten wir in der Nationalmannschaft einen Spieler mit solch einem wuchtigen und präzisen Schuss.“ Sämtliche seiner sieben Länderspieltore entstanden aus Standardsituationen. Vier Freistöße und drei Elfmeter verwandelte Janes. Auch das berühmteste Zitat über Janes, das zum Titel seiner Biographie wurde, stammt von Herberger: „Paul Janes schießt so genau, der trifft sogar die Fliege am Torpfosten.“

Fast 30 Jahre lang Rekordnationalspieler

Bis November 1942, als der Zweite Weltkrieg keine Länderspiele mehr zuließ, kam Janes auf 71 Einsätze in der Nationalmannschaft, 31 davon als Kapitän. Fast 30 Jahre lang blieb er Rekordnationalspieler, ehe ihn Uwe Seeler 1970 ablöste. Auch seine Vereinskarriere unterbrach der Krieg. Janes wurde zur Marine eingezogen und als Bademeister in Wilhelmshaven stationiert - obwohl er nicht schwimmen konnte. Janes spielte in Norddeutschland für Wilhelmshaven 05 und für den Hamburger SV. Obwohl er 70 seiner 71 Länderspiele während der Nazi-Diktatur absolvierte, urteilte Biograph Michael Bolten über Janes: „Man könnte ihn als Mitläufer bezeichnen. Er hätte wohl in jedem politischen System gespielt. Ihm ging es immer nur um den Fußball.“

Nach Kriegsende kehrte Janes nach Düsseldorf zurück und half beim Wiederaufbau der Fortuna, für die er noch bis 1951 in der Oberliga West spielte und anschließend als Trainer arbeitete. 1953 zog es Janes wieder in die Heimat. In Küppersteg eröffnete er eine Sportlerklause. Drei Jahre nach seinem Tod 1987 benannte die Fortuna, deren Ehrenmitglied Janes zu diesem Zeitpunkt längst war, ihr Stadion am Flinger Broich, in dem heute der Nachwuchs spielt, in Paul-Janes-Stadion um.

Für seinen Heimatklub spielen derzeit rund 300 Kinder und Jugendliche aus 17 verschiedenen Nationen. Das ist den Rheinländern aber noch nicht genug. Der 500 Mitglieder starke Klub hat sich ganz der Integration verschrieben. Mehr als 5000 Flyer in vier Sprachen ließ der VfL drucken und an Schulen und Anlaufstellen für Migranten verteilen – darin machen die Leverkusener Werbung für ihr Sportangebot. Montags und mittwochs kann jeder Fußballinteressierte einfach zur Sportanlage kommen und mittrainieren. Im Sportwissenschaftler Murat Yüksel hat der Klub eigenes einen „Betreuer Integration“ eingestellt. „Integration ist unser Tagesgeschäft“, sagt Vorsitzender Kuhn. Künftig sollen vermehrt Flüchtlinge beim VfL Fußball spielen und derart Zugang zur Gesellschaft bekommen.

Seit der vergangenen Saison ist die Erste Mannschaft des VfL zurück in der Mittelrheinliga, aus der sie 2011 abgestiegen war. Die A-Junioren schafften es 2006 und 2008 in die Junioren-Bundesliga, aus der sie jedoch prompt beide Male wieder abstiegen. „Wir legen sehr viel Wert auf die Jugend“, sagt Kuhn. Damit es demnächst mal wieder ein Spieler zum großen Bruder aus der Nachbarschaft schafft. Oder eben ein Stück weiter rheinabwärts nach Düsseldorf.

Alle Folgen der Serie:

Siegburger SV: Jubiläumsfeier ohne Overath

Für Willi Schulz kam Schalke nach Günnigfeld

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