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Kultfigur |15.07.2016|11:30

Der "Ultra-Opa": An der Luft geht's Luft gut

Mit Spaß bei der Arbeit: Ultra-Opa Odo Luft von den Sportfreunden Königshardt aus Oberhausen. [Foto: Bunse / Collage: FUSSBALL.DE]

Die Walz aus der Pfalz war ein Anderer. Dabei hätte Odo Luft eigentlich die älteren Rechte. Zumindest aber als Walz vom Pfälzer Graben könnte der 78-Jährige noch heute gut durchgehen. Denn auch in seinem hohen Alter fegt der Platzwart der Sportfreunde Königshardt beinahe täglich unermüdlich über die weitläufige Anlage mit eben jenem Straßennamen im Oberhausener Norden. Deshalb ist der rüstige Rentner unsere FUSSBALL.DE-Kultfigur der Woche.

"Meine Ärzte haben mir gesagt, ich soll mich viel bewegen. Und dann ist es doch besser so, als irgendwo im Wald spazieren zu gehen"

Frei nach dem Motto: Wer rastet, der rostet. Im wahrsten Sinn des Wortes aus der Luft gegriffen ist der Vergleich sicher nicht. Als der spätere Europameister von 1980 Hans-Peter Briegel Mitte der 1970er Jahre ob seiner athletischen Statur und seines unbändigen Vorwärtsdranges beim 1. FC Kaiserslautern den Spitznamen verpasst bekam, hatte sich Luft in Königshardt schon längst unentbehrlich gemacht. Seit seinem zehnten Lebensjahr trägt er stolz die Farben des Landesligisten. Und blieb ihm bis heute ohne Unterbrechung treu. „Genau gesagt: Seit dem 24.3.1948“, hat der Oberhausener das Datum sofort parat.

Von der F-Jugend bis zur Altliga kickte er selbst für den bürgerlichen Klub aus Sterkrade. Dann begann seine Trainerkarriere. Bis ihn vor acht Jahren eine Erkrankung ausbremste, stand er für die SF Königshardt auch als Schiedsrichter auf dem Platz. Der bedeutet ihm bis heute sein Leben. Einer wie er bringt selbstverständlich auch seine Söhne und Enkel mit in den Verein. Was ihm in Königshardt auch den Namen „Ultra-Opa“ eingebracht hat. Den Titel muss er sich allerdings mit seinem besten Kumpel Günter Rösing teilen, der ihn gleichzeitig bei seiner Arbeit als Platzwart unterstützt.

Einer der Sprösslinge schaffte es beim SF Königshardt sogar mal zum 2. Vorsitzenden. Odo Luft dagegen ist eher der Mann fürs Handfeste. Wenn der ehemalige Betonbauer zwischen Schubkarre, Abkreidewagen und Eckfahnen in seiner Garage herumwuselt, ist er in seinem Element. „Das ist mein Reich“, sagt er stolz. Dort fühlt er sich wohl. Von Montag bis Freitag und selbstverständlich zu allen Heimspielen steht er hier trotz gesundheitlicher Einschränkungen seinen Mann. Er pflegt die weitläufige Anlage, mäht den Rasen, schneidet die Hecken und sorgt dafür, dass alles picobello ist. „Morgens bin ich drei Stunden und am Nachmittag nochmal zwei Stunden hier. Jeden Tag“, rechnet er vor. Angst, dass ihm sein Ehrenamt irgendwann mal körperlich zu viel werden könnte, hat er nicht. „Meine Ärzte haben mir gesagt, ich soll mich viel bewegen. Und dann ist es doch besser so, als irgendwo im Wald spazieren zu gehen“. An der Luft geht es Luft am besten.

Inzwischen hat sich auch seine Ehefrau Christel längst daran gewöhnt, dass ihr „Ötte“, wie er in Königshardt gerufen wird, öfter auf der Bezirkssportanlage zu finden ist, als zu Hause. „Sie wollte mir den Fußball eigentlich sofort nach unserer Hochzeit austreiben“, grinst Luft. „Na, ja, was soll ich sagen: Wir sind seit 1959 verheiratet, aber meine Liebe zu den Sportfreunden war eben noch älter.“ Immerhin hat sie es aber geschafft, dass ihr Mann sich für sie den Samstagvormittag zum Wocheneinkauf freihält. „Das ist Gesetz“, sagt er. „Ich kann doch meine Frau nicht die schweren Lebensmittel schleppen lassen.“ Da ist er neben all der Vereinsmeierei ganz Gentleman alter Schule.

Als solcher wäscht er auch für die Damenmannschaft des Klubs die Trikots und steckt sie in den Trockner. Denn auch das ist Teil seines Ehrenjobs. „Selbstverständlich, genauso wie für unsere Herrensenioren“, nickt Luft. In der Saisonvorbereitung kommen da manchmal zehn bis 15 Einheiten pro Woche zusammen.

Doch das ist nicht alles. Nach den Heimspielen geht er mit seiner Schubkarre um das weitläufige Gelände, das einen Naturrasen- und einen Kunstrasenplatz umfasst, leert die Mülleimer und sammelt den Unrat vom Boden auf. Und verrichtet so im wahrsten Sinne die Drecksarbeit. „Das gehört dazu. Einer muss es ja machen“, sagt er. Bei der Wahl seines ungewöhnlichen Vornamens haben seine Eltern jedenfalls Weitsicht bewiesen. „Den gibt es in ganz Oberhausen nur einmal. Er geht auf einen alten Kirchenheiligen zurück“, weiß er. Denn einmalig ist auch, was der unentbehrliche Luft für seinen SF Königshardt leistet.

Als er vor 20 Jahren in Frührente gegangen ist, habe er eben seine zusätzliche freie Zeit sinnvoll investiert. „Eigentlich hatte ich gesagt, ich würde nur mal ein Wochenende aushelfen“, verrät er. Daraus wurden mit einer kurzen Unterbrechung zwei Jahrzehnte, die er nun schon als Platzwart in Oberhausen für Ordnung sorgt. „Was soll ich machen? Ich kann mich ja nicht in Luft auflösen“, lacht er schelmisch. Humor hat er auch noch.

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Folge 98: HSV, Pauli, SCVM: Gladiator kämpft für alle

Folge 97: Der rote Franz: Eine Saison, 18 Platzverweise

Folge 96: Allesmacher Vögele: Unverzichtbar am Bodensee

Folge 95: Trainer Wilken: Zwei Teams sind nicht genug

Folge 94: Die Kuras: Nur mal kurz den Verein übernehmen

Folge 93: Verrückte Hunde! Unsere vier “Finaltag”-Kultfiguren

Folge 92: Pokalsieger Pille Gecks: Dem 1. FC Köln weggerannt

Folge 91: Ewiger Klaus Wahl: Sugarboy und Stadionsprecher

Folge 90: Schiedsrichter Edgar Krause: Mit 88 pfeift er ab

Folge 89: Edelfan Werther: Koblenzer Kuhglocken-Legende

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Folge 87: Steven Zepeda: Bisschen Badstuber, bisschen Tuchel

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