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Kultfiguren des Amateurfußballs, Folge 60 |02.10.2015|13:45

Anton Plattner: Tiki-Taka mit dem Altmeister

Anton Plattner: Grauhaariger Urbayer auf pausenloser Fortbildung. [Foto: Jogi Gaiser / Collage: FUSSBALL.DE]

Am 24. Oktober 2014 war es dann doch mal wieder soweit: Der VfB Hallbergmoos hatte ein Spiel verloren. Nach 36 Partien und 389 Tagen ohne Niederlage verlor der Landesligist an einem Freitagabend im eigenen Stadion 1:2 gegen den Lokalrivalen Eintracht Freising. Anton Plattner nahm es damals recht gefasst auf, er wusste, dass dieser Tag irgendwann kommen würde. Was blieb, das war die imposante Serie. Und der endgültige Beweis, dass Plattner, Jahrgang 1949, es immer noch drauf hat.

Der Mann, der schon in den 1980er Jahren als Trainer tätig gewesen war, hatte sich Anfang des neuen Jahrtausends rar gemacht. Dann hatte er sich breitschlagen lassen, seinen „Vorruhestand beendet“, wie er selbst sagt, und 2011 den Bezirksligisten VfB Hallbergmoos übernommen. Nach dem Aufstieg zwei Jahre später geschah etwas Überraschendes: Die Mannschaft hatte zwar kurze Anlaufschwierigkeiten, doch dann spielte sie eine Liga weiter oben noch besser als vorher.

Das lag vor allem an Plattners Ehrgeiz und Wissensdurst. Der grauhaarige Urbayer ist so etwas wie ein Altmeister auf pausenloser Fortbildung. Nur wenige verbinden alte Tugenden und neue Trainingsmethoden so effizient wie er. Und so hat Plattner einerseits viele alte Anekdoten parat. Andererseits ist er ein Vorreiter, wenn es um taktische Veränderungen geht. Über die Jahrzehnte hat er mit dem geografischen Schwerpunkt im Münchner Norden, in Lohhof, Eching, Ismaning und Hallbergmoos, den gehobenen Amateurfußball maßgeblich beeinflusst und ohne ein Nachwuchs-Leistungszentrum im Rücken Dutzende Talente ausgebildet – früher etwa die Leitl-Brüder, etwas aktueller den Angreifer Sammy Ammari, der es zumindest schon einmal zum FC Ingolstadt II geschafft hat.

Mit dem SV Lohhof überrascht

"Tiki-taka, das ist natürlich super angekommen im Training"

1. September 1990: Plattner war mit dem SV Lohhof gerade in die Bayernliga aufgestiegen, es warteten Traditionsteams wie 1860, Jahn Regensburg und so aufstrebende Vereine wie die SpVgg Unterhaching. Dort war damals Jürgen Sundermann Trainer. „Und der hat damals in der SZ gesagt: Ich weiß gar nicht, wo das Stadion von Lohhof ist“, erzählt Plattner, „so nach dem Motto: Wir fahren halt mal hin und gewinnen dort. Für meine Spieler war das Motivation pur. Ich hab das ausgeschnitten, vergrößert und in DIN A 0-Format in die Kabine gehängt.“ Lohhof gewann das Spiel 2:1.

13. September 2013: Nach mehreren Niederlagen in der Landesliga bestellt Plattner für die Partie gegen den TuS Pfarrkirchen den erfahrenen, 40-jährigen Osman Qeku ins Tor des VfB Hallbergmoos. Unterdessen hat Mittelfeldspieler Florian Fink kürzlich eine Sonderaufgabe erhalten: Er soll auf dem Platz noch vor dem so genannten Sechser dafür sorgen, dass der Gegner keine Gelegenheit für ein Überzahlspiel im Mittelfeld erhält. Plattner nennt Finks Funktion bisweilen „Scheibenwischer“. Ältere Zuschauer könnten ihn aber auch eine Mischung aus Vorstopper und Libero nennen. Das Spiel jedenfalls endet 1:1, die Mannschaft stabilisiert sich, und drei Wochen später beginnt die Serie von 36 ungeschlagenen Spielen.

Plattners Mannschaften haben oft Probleme zum Saisonstart gehabt, manchmal auch zum Saisonende. Doch er hat einen Blick für die Stellschrauben, die er anziehen muss. Das hierzu nötige Werkzeug holt er sich aus Beobachtungen anderer Trainer. Gerne sieht er zum Beispiel Pep Guardiola zu. Dessen Methoden nutzt er einerseits, um das eigene Programm interessanter zu machen. „Tiki-Taka, das ist natürlich super angekommen im Training“, erzählt er. Doch er übernimmt auch Theorien. Der Plattnersche Scheibenwischer etwa erinnert auch ein bisschen an Guardiolas Idee einer stabilen Abwehr, in der es oft gar keine klassische Viererkette mehr gibt. Plattner passt sein Spielsystem der jeweiligen Liga an, genauer gesagt den Fähigkeiten der kommenden Gegner. In der Landesliga ist er damit bei einer modernen Variante des 3-1-5-2 gelandet.

Wenn man Plattner längere Zeit zuhört, wird klar: Abgesehen von der verbesserten Athletik der Spieler ist Fußball ein Sport, der sich nicht linear entwickelt, sondern zyklisch. Vieles ist schon einmal da gewesen. „Heute heißt‘s ja: aus dem Deckungsschatten treten. Früher hat man gesagt: Biet‘ dich halt besser an!“ Manchmal ändern sich eben nur die Begriffe.

Es gibt freilich noch einen Unterschied zu damals: die flach gewordenen Hierachien. Dem Übungsleiter alter Prägung ist vollkommen bewusst, dass er mit rabiaten Trainingsmethoden nichts mehr bewirken kann. „Druck erzeugt meistens nur Gegendruck“, sagt er über die heutige Jugend. Die Motivation überlässt er daher den Spielern gerne selbst: Zu Beginn der Saison wird eine „Zielvereinbarung“ beschlossen. Dabei handelt es sich um eine schriftliche festgehaltene Abmachung auf Basis einer basisdemokratischen Entscheidung, wo man am Ende der Saison stehen möchte.

Beckenbauer-Entdecker war Vorbild

Plattners Vorbilder mögen heute vielen aktiven Spielern gar kein Begriff mehr sein, doch auch sie waren in ihrer Zeit Vordenker. Rudi Weiß etwa, der Entdecker von Franz Beckenbauer. „Er hat damals schon sehr viel Trainerverständnis gehabt, der hat absolut geprägt“, sagt Plattner, der als Spieler einst im Profikader des FC Bayern stand.

Was von Weiß ebenfalls überliefert ist: Oft lud er seine Spieler ins Kino oder ins Wirtshaus ein, heute würde man sagen: als teambildende Maßnahme. Plattner ist dafür bekannt, seine Spieler regelmäßig in seinem Haus in Ismaning in seinen Partykeller einzuladen. Er backt auch gerne einmal einen Kuchen für die Mannschaft, oder er bringt den Pausentee mit.

Profitrainer ist Plattner vor allem deshalb nie geworden, weil es kein Angebot gab, das ihn aus seinem Job bei einem großen Münchner Autobauer loseisen konnte. Einer hätte es schaffen können: Karl-Heinz Wildmoser. Zum langjährigen Löwen-Boss sagte Plattner einst: „Eine Bewerbung schreib` ich nicht, ich will, dass sich jemand meine Ideen anhört.“ Dazu kam es nicht, offensichtlich hatte sich Wildmoser da schon für einen Freund Plattners entschieden, einen Spezl aus der Gegend: Willi Bierofka.

Weitere Folgen der Kultfiguren -Serie:

Teil 59: Die Ibrahimis: Hier pfeift die Schiri-Familie

Teil 58: Hier kommt Kurt: Auch mit 81 noch der Macher

Teil 57: Mirko Kluges schlauer Plan: Kicken statt Langeweile

Teil 56: Talent-Spürnase Wimmer: Er förderte Schweini

Teil 55: Legende Burgbacher: Keine fliegt so schön

Teil 54: Der Trainer-Trainer-Spieler: Markus Marburg ist Kult!

Teil 53: Hans Lubberich: Der 650-Kilometer-Chronist

Teil 52: Urgestein Karl Schmidt: Vorbild seit 1948

Teil 51: Mr. Meckinghoven: Wassereis statt Magnum Gold

Teil 50: Wie Treter Dieter Becker zum Kultschiri wurde

Teil 49: Chronist Lampey: Mit Lewandowski in Straelen

Teil 48: Mit 82: „Der Alte an der Pfeife“ hört auf

Teil 47: Marion Jochheim: Einmal Mutti, einmal Mutti

Teil 46: Der “Effenberg von Seeheim” macht Schluss

Teil 45: Karl-Heinz Pflumm: Der Freund der Schiris

Teil 44: Hauke Janssen: Deutschlands verrücktester Trainer

Teil 43: Jochen Baumann: Ältester Keeper Deutschlands?

Teil 42: Murat Karakas: Fladenbrot und Fallrückzieher

Teil 41: Robert Rosar: Feierbiest und Zahlengenie

Teil 40: ”Bredi” Breitenberger: Fan, Freund, Phänomen

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