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Serie "Kultfiguren" |20.05.2016|12:00

Pokalsieger Gecks: Dem 1. FC Köln weggerannt

Einst Spieler beim MSV Duisburg und Rot-Weiss Essen, heute in Kevelaer zu Hause: Horst Gecks, genannt Pille. [Foto: Imago (2), Aben / Collage: FUSSBALL.DE]

Einst saß er in der Kabine neben Weltmeister Helmut Rahn und gewann mit den Kickers Offenbach den DFB-Pokal, heute genießt Horst „ Pille“ Gecks in seiner Wahlheimat Kevelaer am Niederrhein seinen Ruhestand und steht nur noch sporadisch auf dem Platz – mit 73 Jahren in der Altherren-Mannschaft des Kevelaerer SV. In dem Wallfahrtsort ist „ Pille“ bekannt wie ein bunter Hund und auch im Who-is-Who des deutschen Fußballs ist der ehemalige Bundesligaspieler kein Unbekannter. Der damalige Flügelflitzer ist unsere FUSSBALL.DE-Kultfigur der Woche.

"Ich war körperlich nicht so stabil, deshalb musste ich mir andere Wege ausdenken, wie ich die Gegner überwinden konnte"

Horst „Pille“ Gecks sitzt in seinem Garten im großzügigen Reihenhaus in Kevelaer am Niederrhein und lässt seinen Blick über die Rasenfläche und die Blumen schweifen. Immer wieder muss er laut auflachen, als er über seine Karriere und die alten Zeiten erzählt. Der 73-Jährige hat wahrlich genug zu berichten. Geschichten über Alkoholeskapaden berühmter ehemaliger Nationalspieler, unvergessliche Siegesfeiern oder die Zustände im bezahlten Fußball der späten Nachkriegszeit gehören genauso zu seinem Repertoire wie Existenz- und Abstiegskämpfe in der Kreisliga oder der tägliche Wahnsinn im Altherren-Fußball.

Die Karriere des Horst Gecks beginnt mitten im Ruhrgebiet, wo der schmächtige Junge aufwächst und von klein auf mit dem Fußball konfrontiert ist. Ein bisschen erinnern seine Erzählungen an den bekannten Film „Das Wunder von Bern“ – nur mit dem Unterschied, dass Gecks am Ende nicht derjenige ist, der Rahn den Ball zuwirft und ihm die Daumen drückt, sondern Gecks ist selber Teil der Mannschaft. Okay, bis zum echten Nationalspieler hat der heute 73-Jährige es am Ende nicht gebracht, lediglich zwei U 23-Spiele für die deutsche Auswahl hat er bestritten. Doch ein Großer im Fußball ist der verhältnismäßig kleine Mann doch geworden.

Zunächst zieht es Gecks zum Feldhandball, er spielt beim kleinen Verein Meiderich 06/95 . Doch nebenher steht er auch immer mit seinen Freunden auf den Hartplätzen der Umgebung und kickt. Die Familie zieht um, von Untermeiderich nach Mittelmeiderich, Gecks erobert mit seinem schnellen und geschickten Spiel neue Plätze – und die Herzen der umstehenden Rentner, die auf Talentjagd sind. „Einmal hat mich einer angesprochen, der mich zum Meidericher SV gebracht hat“, erinnert sich Gecks.

Bei dem Verein, der heute MSV Duisburg heißt und gegen den Abstieg aus der 2. Bundesliga kämpft, macht er seine ersten Schritte im Vereinsfußball und stellt sich dabei gar nicht schlecht an. Drei Jahre lang spielt er in der Jugend, bis er zu den Amateuren aufsteigt. „Ich war körperlich nicht so stabil, deshalb musste ich mir andere Wege ausdenken, wie ich die Gegner überwinden konnte“, sagt Gecks.

Doch sein Körper war nicht das einzige Problem, das er vor der Brust hatte – denn 1963 spielt Gecks zwar mit dem Meidericher SV als eines von 16 Teams in der ersten Saison der neu gegründeten Fußball-Bundesliga, doch auf seiner Position wurde kein geringerer Neuzugang als Helmut Rahn, Siegtorschütze des WM-Finals von 1954, präsentiert. „Das war für mich natürlich ein Traum. Neun Jahre zuvor sind wir durch ihn Weltmeister geworden und dann durfte ich in der Kabine direkt neben Rahn sitzen“, sagt Gecks. „Er war ein ganz normaler Typ, hat mir gleich das Du angeboten. Aber da war etwas los: Die ersten drei Trainingseinheiten haben wir vor 15.000 Zuschauern absolviert.“ Doch Rahn war körperlich, wenn auch teilweise selbstverschuldet, bereits nicht mehr in bester Verfassung, und so kam es, dass Gecks als Neuling gleich auf zwölf Bundesligaeinsätze kam.

Es lief also gut für Gecks. Und auch der MSV konnte sich nicht beklagen, gleich in der ersten Saison erreichte man völlig unerwartet die Vizemeisterschaft. „Heute denke ich mir oft, wie blöd wir waren. Wir haben einige Punkte leichtfertig liegen gelassen und hätten Köln locker einholen können“, meint Gecks. Bis 1969 hielt sich der Flügelstürmer im Ruhrgebiet, dann suchte er eine neue Herausforderung. Obwohl die Kickers Offenbach in die zweitklassige Regionalliga abgestiegen waren, wechselte er nach Hessen und stieg gleich in der ersten Saison wieder auf. Gleichzeitig schaffte Gecks mit seiner Mannschaft den wohl größten Höhepunkt seiner Karriere: Im Sommer 1970, wenige Tage nach der Weltmeisterschaft in Mexiko, holten die Kickers mit Gecks als Torschützen den DFB-Pokal mit einem 2:1-Sieg gegen den favorisierten 1. FC Köln. „Ich kann mich noch an jede Szene des Spiels genau erinnern“, sagt Gecks. Das 1:0 für seine Kickers entstand nach einem schönen Konter, das 2:0 erzielte er selbst: „Ich habe den Ball in der eigenen Hälfte bekommen und habe einen 60-Meter-Sprint hingelegt und den Ball mit dem Außenrist versenkt.“ Es wurde noch einmal brenzlig, die Kölner kamen auf 2:1 heran und verschossen kurz vor Ende einen Strafstoß, doch am Ende konnte Gecks die begehrte Trophäe vor 55.000 Fans gen Himmel wuchten. „Wir haben den Pott mit Sekt vollgemacht und die ganze Nacht gefeiert. Am nächsten Tag haben uns tausende Menschen in Offenbach auf den Straßen empfangen, das war phänomenal.“

Schon zuvor hatte Gecks die Chance gehabt, den DFB-Pokal zu gewinnen. Im Jahr 1966 stand er bereits mit dem Meidericher SV im Pokalfinale. Damals verlor man zwar das Spiel, doch Gecks hatte an diesem Tag dennoch Grund zur Freude. „Meine Frau war schwanger, das Kind sollte vor dem Spiel kommen. Um 16 Uhr wurde das Finale angestoßen, ich stand auf dem Platz. Eine halbe Stunde später kam mein Sohn Michael zur Welt, aber das habe ich erst nach Mitternacht erfahren“, lacht Gecks. Irgendwie symptomatisch für das Leben des Pille Gecks, das total unter dem Eindruck des Fußballs steht.

Nach seiner erfolgreichen Zeit in Offenbach zog es ihn zurück ins Ruhrgebiet, diesmal stand er zunächst bei Rot-Weiss Essen unter Vertrag, dann noch beim Stadtrivalen Schwarz-Weiß Essen . Seine aktive Karriere als Spieler verschmolz dann mit dem Traineramt, als er sich für drei Jahre als Spielertrainer bei Blau-Weiß Wulfen engagierte. 1978 zog es den gelernten Kaufmann dann aus beruflichen Gründen in seine neue Heimat Kevelaer, der er bis heute treu geblieben ist. Hier übernahm er nicht nur zunächst ein Geschäft des Sportartikelherstellers Hummel, sondern gleich auch das Spielertraineramt beim Kevelaerer SV .

„Ich habe Bezirks- und Landesliga gespielt bis ich 50 Jahre alt war“, sagt Gecks. Beim KSV setzte sich Gecks ein Denkmal – insgesamt viermal stand er für die Blau-Gelben als Trainer an der Seitenlinie und fungierte dabei so manches Mal als Feuerwehrmann. „Der KSV ist für mich eine Herzensangelegenheit“, sagt er heute, auch wenn er mit der aktuellen Situation alles andere als zufrieden ist. Seitdem Gecks 2012 zum letzten Mal Tschüss gesagt hat beim KSV, ist die Mannschaft von der Bezirksliga in die Kreisliga B abgerutscht. Er selber steht jedoch noch immer für seinen Verein auf dem Platz. Jeden Donnerstag trainiert er fleißig mit der Alt-Herren-Mannschaft des KSV und ist dabei als eine Art Spielertrainer aktiv. Wenn es nicht läuft, wird es ungemütlich. Auch bei den Spielen am Wochenende, denn auch wenn Gecks vielleicht etwas an Schnelligkeit und Spielwitz verloren hat, sein Ehrgeiz ist weiterhin groß. Das kommt vielleicht auch daher, dass er sich nebenbei auch noch jeden Mittwoch in Duisburg mit ehemaligen Profis und Weggefährten zum Kicken trifft.

Doch nicht nur durch seine Tätigkeit für den KSV ist Pille Gecks in Kevelaer und Umgebung ein Original - auch durch seinen „SportPalast“, ein Sportgeschäft, das er jahrelang in Kevelaer führte, gelangte er am gesamten Niederrhein zu Berühmtheit. Gerade für junge aufstrebende Fußballer konnte ein Besuch bei Gecks dabei nervenaufreibend sein - wollte man doch als cooler Junge auf gar keinen Fall die schwarzen Lederschuhe tragen, sondern viel lieber die neueste Version der roten Schuhe von David Beckham. Aber nicht mit Gecks: Hatte man dann nach langer Verhandlung mit Gecks und Mutti die - laut Pille - richtigen Schuhe ausgewählt, musste man sich noch eine minutenlange Standpauke über die richtige Pflege der neuen Treter anhören. Doch mit seiner Verkaufsstrategie und der dazugehörigen Expertise hatte Gecks Erfolg: „Die Menschen kamen zig Kilometer gefahren, nur um bei mir Schuhe zu kaufen. Ich hatte aber auch die besten Preise!“, sagt er.

Wenn Horst Gecks erzählt, dann scheint es, als ob er jeden Schritt seiner Karriere noch einmal genau zurückverfolgt und neu setzt. 192 Bundesligaspiele, 53 Tore, ein DFB-Pokalsieg und abertausende Geschichten: Das alles scheint unwiderruflich und peinlich genau in seinem Kopf abgespeichert zu sein. Und wenn man zuhört, dann meint man, man wäre tatsächlich dabei gewesen. Und hätte vielleicht zwischen Gecks und Rahn in der Kabine gesessen und das Leben als Fußballer genossen.

Weitere Folgen unserer Kultfiguren -Serie:

Folge 91: Ewiger Klaus Wahl: Sugarboy und Stadionsprecher

Folge 90: Schiedsrichter Edgar Krause: Mit 88 pfeift er ab

Folge 89: Edelfan Werther: Koblenzer Kuhglocken-Legende

Folge 88: Manfred Müller: Elf Herzinfarkte und nicht fußballmüde

Folge 87: Steven Zepeda: Bisschen Badstuber, bisschen Tuchel

Folge 86: Josef Ring: Das Urgestein aus der Vulkaneifel

Folge 85: 75 Jahre Mitglied: Stralkowski ist “Die Eins”

Folge 84: Kultmasseur Reinhardt knetet seit 50 Jahren

Folge 83: Zeugwart Gürtler: Gegen das Grundgesetz Kölns

Folge 82: “Bubu“ Buschatzki: Für jeden Sieg gibt’s Bier

Folge 81: Esad Kahric: Der Thomas Schaaf der Bayernliga

Folge 80: Globetrotter Schick: Fußball in der Favela

Folge 79: Käpt’n Muck: 777 Spiele für seine Wurzener

Folge 78: Fitter Jacob: Derwall erkannte sein Talent

Folge 77: Daniel Kübler: Der Mann, der Frauenwünsche erfüllt

Folge 76: Wagners WM-Wette: 85-Jähriger seit 1974 Schiri

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